Warum hält Deutschland an den UN fest, Frau Güler?
Die UN leiden unter Blockaden einzelner Mitglieder und ihrer schwierigen Finanzlage. Trotzdem will Deutschland sich eher mehr als weniger engagieren.
Frau Güler, Deutschland hatte 2025 den Vorsitz der UN Peacebuilding Commission (PBC). Was waren Deutschlands Aufgaben und wie fällt Ihre Bilanz aus?
Die PBC begleitet Staaten – auf deren Wunsch – bei der Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Maßnahmen zur Friedensförderung. Dabei stehen nationale Eigenverantwortung und partnerschaftliche Ansätze im Vordergrund. Als Vorsitz haben wir zum Beispiel Mauretanien oder Kolumbien dabei unterstützt, ihre nationalen Bemühungen zur Friedenskonsolidierung in der PBC vorzustellen. Wir haben auch internationale Entwicklungsbanken stärker in die Arbeit der PBC eingebunden. Außerdem haben wir uns dafür eingesetzt, die beratende Rolle der Kommission gegenüber anderen UN-Gremien zu stärken, zum Beispiel durch Beratung des UN-Sicherheitsrats zum Thema Frauen, Frieden und Sicherheit. Insgesamt ziehen wir eine sehr positive Bilanz aus unserem Vorsitzjahr.
Welche Rolle spielen die UN-Friedensmissionen aus Ihrer Sicht in der aktuellen weltpolitischen Lage?
UN-Friedensmissionen nehmen eine zentrale Rolle in den internationalen Bemühungen zur Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit ein. Wie kaum ein anderes Instrument stehen die „Blauhelme“ für die Verantwortung der UN für Frieden und Sicherheit. In Krisen leisten sie einen zentralen Beitrag zur Stabilisierung. Deutschland beteiligt sich deshalb an Friedensmissionen, mit Soldatinnen und Soldaten, Polizistinnen und Polizisten und zivilen Experten. Natürlich müssen sich UN-Friedensmissionen angesichts komplexer werdender Konfliktdynamiken weiterentwickeln und an die Herausforderungen der heutigen Zeit anpassen. Hierzu gehört auch eine enge Verzahnung mit zivilen Instrumenten der Konfliktprävention und Friedenskonsolidierung. Mit der Ausrichtung des UN Peacekeeping Ministerials im Mai 2025 in Berlin hat die Bundesregierung einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, UN-Friedensmissionen zukunftsfähig zu machen.
Deutschland ist ein felsenfester Unterstützer der Vereinten Nationen.
Deutschland bewirbt sich um einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat 2027/2028. Was spricht für Deutschland?
In Zeiten großer Krisen ist Deutschland ein felsenfester Unterstützer der Vereinten Nationen. Wir engagieren uns in vielfältiger Weise, nicht zuletzt als zweitgrößter Beitragszahler für das UN-System. Durch unseren Einsatz für Friedenssicherung, Stabilisierung, humanitäre Hilfe, Klima- und Umweltschutz und wirtschaftliche Zusammenarbeit sind wir Brückenbauer zu allen UN-Staaten und stärken unsere Partnerschaften auch zu kleinen Staaten. Wir wollen Verantwortung im Rahmen der Vereinten Nationen übernehmen und einen wichtigen Beitrag für Frieden und Sicherheit leisten. Eine Mitgliedschaft im Sicherheitsrat verstehen wir – getreu unseres Mottos „Respekt – Gerechtigkeit – Frieden“ – als Verantwortung gegenüber allen Mitgliedstaaten.
Die UN stehen derzeit vor vielen Herausforderungen, sowohl politisch als auch finanziell. Warum hält Deutschland trotzdem an den UN fest?
In Zeiten eskalierender globaler Krisen und Konflikte sind die Vereinten Nationen und insbesondere der Sicherheitsrat als zentrales Organ der internationalen Gemeinschaft für Friedenssicherung und Konfliktmanagement alternativlos – benötigen aber besondere Unterstützung. Diese kann und will Deutschland leisten. Wir sind seit über 50 Jahren ein zentraler Unterstützer der Organisation, ihrer Institutionen und der Prinzipien der Charta. Die UN sind die einzige Organisation mit weltweiter Mitgliedschaft. Sie verkörpern die multilaterale Weltordnung und das Völkerrecht. Diese wollen und müssen wir gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung und Rivalität stärken. Daher setzen wir uns aktiv für notwendige Reformen der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrats sowie eine Stärkung des UN-Systems in seiner Gesamtheit ein.