Zum Hauptinhalt springen

188 Tage zwischen Zypern und Libanon

Seegebiet überwachen, libanesische Soldaten ausbilden: An Bord einer deutschen Fregatte, die für die UN-Friedensmission UNIFIL im Einsatz ist. 

Autor André UzulisAndré Uzulis , 02.03.2026
Ein Mann mit Kapitänsmütze und dem Schriftzug „Skipper“ auf dem Hemd blickt in die Kamera.
Fregattenkapitän Daniel Läzer © André Uzulis

Ein sonniger Februarmorgen im Hafen von Limassol auf Zypern. Die Fregatte Sachsen-Anhalt setzt zurück, das Heck schiebt sich von der Pier weg. 7.200 Tonnen Material sind in Bewegung. Schließlich löst sich auch der Bug vom Kai. Um das Schiff herum kreisen zwei Hafenschlepper, jederzeit bereit einzugreifen. Doch das ist nicht nötig. Nun liegt das offene Meer vor dem modernsten Schiff der Deutschen Marine. Kurs Ost-Südost. Hinterm Horizont liegt das Ziel dieser Fahrt: Libanon.

Verdächtige Schiffe der libanesischen Marine melden

Die Fregatte Sachsen-Anhalt ist Teil der UN-Friedensmission UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon), mit 48 Jahren eine der am längsten bestehenden Friedensmissionen der Vereinten Nationen und die einzige mit einer maritimen Komponente. Den Marine-Einsatz vor Libanon gibt es seit 2006, und seitdem ist Deutschland dabei. Die Aufgabe: das Seegebiet überwachen und verdächtige Schiffe, die Waffen schmuggeln könnten, der libanesischen Marine melden. Außerdem werden libanesische Marinesoldaten ausgebildet. Seit 2021 stellt die Bundeswehr auch den Kommandeur der multinationalen Marine-Komponente. Der deutsche Flotillenadmiral arbeitet vom UNIFIL-Hauptquartier in Nakura im Süden Libanons aus.  

Militärische und zivile Expertinnen und Experten

Mehr als 300 Deutsche – Soldatinnen und Soldaten, Polizistinnen und Polizisten und zivile Expertinnen und Experten – sind derzeit in UN-Missionen im Einsatz. Die Bundeswehr entsendet Personal in die UN-Einsätze MINURSO in der Westsahara, UNMISS in Südsudan und UNIFIL (Libanon). Seit 1991 hat sich die Bundeswehr an 14 UN-geführten Peacekeeping-Missionen beteiligt.

An Bord der Fregatte Sachsen-Anhalt sind rund 150 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Einer von ihnen ist Bootsmann Robert, der Zweite Proviantmeister. Der 44-Jährige ist ausgebildeter Koch. Er wollte „raus aus der Gastronomie“ und ging zur Bundeswehr. Dort entdeckte er die Liebe zur Seefahrt und verweist auf inzwischen 100.000 gefahrene Seemeilen. Der aktuelle Einsatz ist der längste für ihn. Auch Sanitätsmeisterin Ida, als Notfallsanitäterin die rechte Hand des Schiffsarztes, freut sich nach einer so langen Mission auf ihre Familie in Magdeburg.  

Ein Mann in einer Uniform steht in einer Küche am Herd.
Bootsmann Robert, der Zweite Proviantmeister © André Uzulis

Kapitän mit Herz und Verstand 

Fregattenkapitän Daniel Läzer ist der Kommandant der Sachsen-Anhalt. An Bord nennen sie ihn den „Alten“, obwohl er erst 44 ist. Ob es fachlich und menschlich auf einem Schiff funktioniert, hängt maßgeblich von ihm ab. Wer sich bei den Soldatinnen und Soldaten umhört, erfährt, dass Läzer „mit Herz und Verstand“ führe. Das Team vertraut ihm, und er gibt diese Wertschätzung zurück: „Es ist die beste Besatzung, die wir haben“, sagt Läzer.

Ein Schiff mit dem Schriftzug „UN“ fährt auf dem Meer.
Die Fregatte Sachsen-Anhalt © André Uzulis

Nach der Rückkehr nach Wilhelmshaven im März hat die Mannschaft eine kleine Pause. Doch schon nach wenigen Wochen wird es für die Soldatinnen und Soldaten zu einer Übung nach Norwegen gehen. Nach dem UNIFIL-Einsatz steht für die Fregatte Sachsen-Anhalt und ihre Besatzung erst einmal wieder die Landes- und Bündnisverteidigung an.  

UNIFIL noch bis Ende 2026 im Einsatz

Nach 188 Tagen im Einsatz kehrte die Sachsen-Anhalt am 1. März 2026 in ihren Heimathafen Wilhelmshaven zurück. Gemeinsam mit der Korvette Sangram aus Bangladesch hatte sie mehr als ein halbes Jahr das Seegebiet vor Libanon überwacht. Diese Aufgabe soll die libanesische Marine bald komplett selbst übernehmen. Der UN-Sicherheitsrat hat beschlossen, UNIFIL zum 31. Dezember 2026 zu beenden.