Wahlscheine werden drei Mal geprüft

Wahl in Deutschland – wer zählt eigentlich die Stimmen? Eine Wahlhelferin erklärt ihre Aufgaben.

Briefwahlstimmen werden 2020 in einer Messehalle ausgezählt.
Briefwahlstimmen werden 2020 in einer Messehalle ausgezählt. picture alliance/dpa

Elvira Schwintzer ist eine von rund 650.000 Wahlhelferinnen und Wahlhelfern, die am 26. September 2021 dafür sorgen, dass die Bundestagswahl in Deutschland reibungslos abläuft und jede Stimme richtig gezählt wird.

Warum sind Sie Wahlhelferin?
Ich bin 2020 mit 63 Jahren in den Ruhestand gegangen und wollte der Stadt, in der ich wohne und in der ich die Stadtbibliothek geleitet habe, gerne etwas zurückgeben. Ich bin so eine Ehrenamtstante, das ist ein gutes Gefühl. Ich engagiere mich auch in der Evangelischen Kirche. Außerdem war ich schon immer politisch sehr interessiert. Es ist ja ganz wichtig, dass man wählt, sonst darf man hinterher auch nicht meckern. Als mein Mann und ich vor der Kommunalwahl in unserem Bundesland Hessen im Frühjahr gelesen haben, dass Wahlhelfer gesucht werden, haben wir uns gleich per E-Mail angemeldet. Im März war unsere Premiere, im September 2021, bei der Bundestagswahl, sind wir dann das zweite Mal dabei. In einer Schulung hat man uns genau erklärt, was wir machen müssen und dass wir verschwiegen sein müssen, also nicht verraten, wer wählen war und wer nicht.

Pro Tisch wird von jeweils anderen Personen drei Mal nachgezählt.

Elvira Schwintzer, ehrenamtliche Wahlhelferin

Was sind Ihre Aufgaben?
In jedem Wahllokal sind mehrere Wahlhelfer mit unterschiedlichen Aufgaben betraut. Jemand überprüft den Wahlschein und die Personalien, dann wird der Wähler im Verzeichnis vermerkt und wir haken nach, ob jemand noch Fragen hat. In der Kabine denken die meisten nicht sehr lange nach, sie haben sich vorher offenbar überlegt, wen sie wählen. Danach überprüft man, ob die verschlossenen Umschläge richtig in die Wahlurne geworfen werden. Man ist immer einen halben Tag im Einsatz, entweder von 8 bis 13 Uhr oder von 13 bis 18 Uhr. Wenn das Wahllokal geschlossen wird, kommen dort alle 10 bis 12 Helfer wieder zusammen. Die Umschläge werden auf Tische verteilt, jeder nimmt sich einen Packen und zählt die Stimmen. Pro Tisch wird von jeweils anderen Personen drei Mal nachgezählt, zum Schluss noch einmal insgesamt. Der Schriftführer trägt dann das Ergebnis ein.

 

Elvira Schwintzer
Elvira Schwintzer: „Ich wollte
der Stadt, in der ich wohne,
etwas zurückgeben.“

Sind Sie Mitglied einer Partei?
Ich wähle zwar immer dieselbe, aber ich bin kein Parteimitglied und habe auch kein Mandat. Dadurch bin ich schon fast eine Ausnahme: Mindestens 90 Prozent der Wahlhelfer gehören den verschiedenen Parteien an, denn man findet sonst nicht genug Freiwillige. Es ist ja ein Ehrenamt, man bekommt 25 Euro als Aufwandsentschädigung, dafür verbringt man mehr als den halben Tag im Wahllokal.

Was ist für Sie ein besonders schöner Moment im Wahllokal?
Da die meisten Menschen in Deutschland keine Briefwahl machen, sondern persönlich ins Wahllokal kommen, treffe ich da ganz viele alte Bekannte aus der Nachbarschaft. Da kann man manchmal auch ein nettes Schwätzchen halten. Das war im Frühjahr bei der Kommunalwahl wegen des langen Coronawinters ganz besonders schön, denn man hat viele ja länger nicht gesehen.

 


Mehr über die deutsche Parteienlandschaft erfahrt ihr in unserem Spezial zur Bundestagswahl.

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