Wie die Welt Deutschland sieht

Drei Stimmen aus anderen Ländern: Was Menschen an Deutschland schätzen und was sie von Deutschland erwarten.

Amel Saidane
Amel Saidane privat

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat Menschen rund um den Globus zu ihrem Deutschlandbild befragt, darunter Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und vielen anderen Berufsgruppen. Tenor: Die Welt wünscht sich ein aktiveres Deutschland, das mehr Verantwortung übernimmt. Es soll eine Führungsrolle in der internationalen Politik und Zusammenarbeit spielen, dabei nicht allein und aggressiv handeln, sondern als souveräne „Soft Power“ mit Gestaltungswillen. Drei Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie nennen ihre wichtigsten Erkenntnisse über Deutschland:

„Deutschland kann bei der Konfliktlösung eine größere Rolle spielen“

„Deutschland ist Mitglied in EU und NATO. Es untersteht den Verpflichtungen beider Organisationen und kann deshalb außenpolitisch nicht völlig selbstständig sein. Deutschland ist aber die informelle Führungsnation in der EU. Zu seinen höchsten Prioritäten gehören die politische und wirtschaftliche Stärke der EU und der Eurozone, eine Stärkung der Achsen Berlin-Paris und Berlin-Warschau, die Überwindung der Migrationskrise sowie die Weiterentwicklung der europäischen Verteidigungsfähigkeit.

Deutschland ist bereit, eine größere Rolle bei der Lösung von Konflikten zu übernehmen.

Vladislav Belov, Direktor des Zentrums für Deutschlandstudien am Institute of Europe in Moskau

Wichtig sind Deutschland auch krisenfreie transatlantische und chinesische Beziehungen und eine neue Ostpolitik. Gleichzeitig ist Deutschland bereit, bei der Lösung von Konflikten in Europa und anderen Weltregionen eine größere Rolle zu spielen. Das Potenzial dafür ist da.“

Vladislav Belov
Vladislav Belov ist Direktor des Zentrums für Deutschlandstudien am Institute of Europe in Moskau.

„Deutschland ist eine Inspiration“

„Die Deutschen haben den Ruf, hart zu arbeiten. Zusammen mit der niedrigen Arbeitslosenrate und der intensiven Diskussion über die Zukunft der Arbeit macht das Deutschland zu einer Inspirationsquelle für den Nahen Osten und Nordafrika.

Die Schaffung von Jobs ist eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Amel Saidane, tunesische Unternehmerin

Jobs zu schaffen ist eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Denn anständige Arbeitsplätze und eine florierende Wirtschaft werden die Kluft zwischen Nordafrika und Europa verkleinern und Menschen davon abhalten, ihr Land zu verlassen. Um nachhaltige Jobs zu schaffen, braucht es aber womöglich weniger Entwicklungszusammenarbeit als viel mehr Investitionen. Hier sollte Deutschland international eine Führungsrolle übernehmen.“

Amel Saidane
Amel Saidane ist tunesische Unternehmerin und Gründerin mehrerer Start-ups.

„Starke Partnerschaft zwischen Forschung und Industrie“

„Deutschland zählt zu den innovativsten Ländern der Welt mit revolutionären Beiträgen in der Wissenschaft, bei Erfindungen und im Ingenieurwesen. Dabei gründet Deutschlands Erfolg auch auf seinem einzigartigen Berufsbildungssystem und der starken Partnerschaft zwischen Forschung und Industrie.

Nigeria sollte Ausbildungseinrichtungen nach deutschem Vorbild gründen.

Onyeche Tifase, Geschäftsführerin von Siemens Nigeria

Nigeria kann ebenfalls Nutzen aus einer stärkeren Kooperation zwischen der Wirtschaft und Bildungsinstitutionen ziehen, indem es Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen nach deutschem Vorbild gründet. Das wird Innovationen begünstigen, das Unternehmertum stärken und die Wirtschaft ankurbeln.“

Onyeche Tifase
Onyeche Tifase ist Geschäftsführerin von Siemens Nigeria.