Partnerschaften für die Klimawende

Auf der Suche nach Energiepartnern kooperiert Deutschland mit Staaten im Nahen Osten – vor allem beim Ausbau Erneuerbarer Energien.

 Anfang 2022 reiste Wirtschaftsminister Habeck nach Abu Dhabi.
Anfang 2022 reiste Wirtschaftsminister Habeck nach Abu Dhabi. picture alliance/dpa

Gemeinsam die globale Energiewende voranbringen und den Wettbewerb um Ressourcen entschärfen: Das sind die Ziele der Energiepartnerschaften, welche die deutsche Regierung inzwischen mit mehr als 20 Partnerländern unterhält. Ein wichtiger Fokus liegt dabei auf der Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien, etwa durch Investitionsanreize für deutsche Unternehmen. Auch die Unterstützung wirtschaftlicher Entwicklung und Beschäftigung in den Partnerländern ist Bestandteil der Zusammenarbeit.

Wegen des Ukrainekrieges sind diese Kooperationen nun noch wichtiger geworden. Schließlich geht es darum, sich so schnell wie möglich aus der energiepolitischen Abhängigkeit von Russland zu lösen. Noch bis vor Kurzem deckte Deutschland 55 Prozent seines Bedarfs an Erdgas mit Importen aus Russland. Deswegen wird nachdrücklich auf deutscher und europäischer Ebene nach Alternativen gesucht. Zum einen, um einen drohenden Energieengpass abzuwenden und akute Versorgungslücken zu schließen. Zum anderen, um mit vereinten Kräften möglichst schnell aus fossilen Energieträgern auszusteigen.

Dabei stehen besonders Länder aus dem Nahen Osten und Nordafrika im Fokus, die üppige Ressourcen im Bereich fossiler Energieträger zur Verfügung haben, um vor allem mittelfristig drohende Versorgungslücken in diesem Bereich zu schließen. Zudem bemühen sich viele dieser Länder, selbst möglichst schnell auf Kohle, Öl und Gas verzichten zu können, indem sie, auch mit Unterstützung Deutschlands, den Ausbau nachhaltige Energieträger vorantreiben.

Katar

Katar ist eine der ersten Adressen, wenn es um Flüssiggas (LNG) geht, das Deutschland im Zug der gedrosselten Gas-Lieferung aus Russland als kurzfristige Alternative anpeilt. 2020 war das Emirat am Persischen Golf mit 106,1 Milliarden Kubikmeter oder 21,7 Prozent der weltweit ausgeführten Menge der zweitgrößte LNG-Exporteur der Welt. Bis 2027 ist eine Steigerung auf 174 Milliarden Kubikmeter geplant. Bereits einen Monat nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine reiste Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck in den Golfstaat, um eine langfristige Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Katar zu vereinbaren. Dabei ging es auch um die Zusammenarbeit im Bereich LNG-Handel. Noch ist unklar, inwieweit Katar hier unterstützen kann. Der Großteil seines Flüssiggases ist in langfristigen Lieferverträgen gebunden, vorrangig mit asiatischen Ländern wie China und Japan.

Darüber hinaus soll es bei der Energiekooperation auch um den Ausbau erneuerbarer Energien, Energieeffizienz, Strommarktentwicklung, Netzausbau sowie die Produktion und Handel von grünem Wasserstoff gehen. Grüner, also mithilfe erneuerbarer Energien gewonnener Wasserstoff, gilt als entscheidender Baustein auf dem Weg hin zu einer nachhaltigeren Energiewirtschaft. Als sogenannter sekundärer Energieträger soll er die Produktion grünen Stroms unabhängiger von klimatischen Bedingungen machen. So könnte die Energie aus Solar- oder Windkraftanlagen, idealerweise in Ländern mit viel Sonne und Wind, zunächst in die Herstellung des Gases fließen. Grüner Wasserstoff kann dann als Energieträger über Pipelines weitertransportiert werden. Hier könnte Katar als Wüstenstaat mit vielen Sonnentagen und einer langen Küstenlinie eine wichtige Rolle spielen.

Vereinigte Arabische Emirate (VAE)

Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten besteht bereits seit 2017 eine Energiepartnerschaft, seit Ende 2021 arbeitet zudem eine Emiratisch-Deutsche Taskforce an der Herstellung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen. Damit will Deutschland seine Zusammenarbeit mit dem Golfstaat im Bereich Forschung und Produktion vertiefen. Bereits im Mai 2021 wurde das erste grüne Elektrolyseurprojekt der Middle East and North Africa (MENA) Region in Dubai gemeinsam von Siemens Energy und der Dubai Electricity & Water Authority (DEWA) eingeweiht. Im Sommer reiste Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck in den Golfstaat, um weitere Kooperationsabkommen für eine Lieferkette rund um den Energieträger zu unterzeichnen. Man rechne noch bis Ende 2022 mit den ersten Lieferungen des Gases, wie das Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des Besuches mitteilte.

Darunter ist auch ein Vorhaben zur Herstellung von synthetischem Kerosin für die Luftfahrt. „Green Falcon“ heißt ein entsprechendes Projekt von Siemens Energy, Lufthansa und dem emiratischen Unternehmen Masdar. Synthetisches Kerosin auf der Basis von Wasserstoff stellt derzeit die einzige Möglichkeit für eine klimaneutrale Luftfahrt dar. Das Projekt startet mit einer Pilotanlage, die eine Elektrolyseleistung von 20 Megawatt (MW) umfassen wird und später vergrößert werden kann. Die deutschen Firmen Uniper und Hydrogenious vereinbarten gemeinsam mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) ein Projekt für den Aufbau einer Lieferkette von grünem Wasserstoff von Abu Dhabi bis nach Wilhelmshaven. Dafür kommt die LOHC-Technologie zum Einsatz, welche Hydrogenious vorantreibt. Dabei wird Wasserstoff, der in Reinform schwer zu transportieren ist, in einer ölartigen organischen Substanz gebunden und in Tankern nach Deutschland transportiert.

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