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Sternenparks für Deutschland

Künstliches Licht lässt unsere Nächte immer heller werden. Das ist nicht nur Energieverschwendung, sondern belastet ganze Ökosysteme. 

Klaus Lüber , 17.03.2023
Manuel Philipp und Alina Baginski von Paten der Nacht im Sternenpark Winkelmoosalm
Manuel Philipp und Alina Baginski von Paten der Nacht im Sternenpark Winkelmoosalm © Sebastian Voltmer

Wenn am 25. März an vielen Orten der Welt zur Earth Hour für den Klimaschutz und als Protest gegen Energieverschwendung eine Stunde das Licht ausgeht, ist das für Manuel Philipp immer noch viel zu wenig. „Ich habe mich offen gesagt immer ein wenig geärgert über die Earth Hour“, erzählt der Physiker und Astronom. „Nichts gegen den symbolischen Wert der Initiative. Aber es gibt ein ganz naheliegendes Problem, das durch die Aktion bislang kaum thematisiert wurde. Und das mindestens genauso drastische Folgen hat wie unser zu hoher Energieverbrauch, auf den der Verzicht auf künstliches Licht ja abhebt.“ 

Was Philipp meint: Das Licht selbst ist das Problem. Inzwischen gibt es so viel künstliches Licht, dass Fachleute von einer regelrechten Verschmutzung unseres Lebensraums sprechen. Besonders über großen Städten bilden sich riesige Lichtglocken, die in einem Radius von bis zu 200 Kilometern Kunstlicht abstrahlen. Und laut einer aktuellen Studie des Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam nimmt das Kunstlicht weltweit immer weiter zu ¬ um fast 10 Prozent jährlich. 

Lichtglocke über den Städten Prien und Bernau in Bayern
Lichtglocke über den Städten Prien und Bernau in Bayern © Paten der Nacht

Tödliche Beleuchtung für viele Insekten
In Städten sind die Nächte inzwischen so hell, dass Sterne kaum noch zu sehen sind. Umweltorganisationen warnen vor den Folgen der Lichtverschmutzung auf ganze Ökosysteme. Schlaflosigkeit durch einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus, unter der immer mehr Menschen leiden, ist da noch das geringste Problem. „Auf nachtaktive Insekten, von denen viele auch eine wichtige Rolle als Bestäuber spielen, wirken Lichtquellen wie Staubsauger“, berichtet Philipp. „Da bleiben sie dann hängen, werden entweder schnell gefressen oder sterben den Erschöpfungstod.“  

Das müsste nicht so sein. „Etwa ein Drittel des Lichts, das wir nachts produzieren, ist verschwendet. Wir könnten also problemlos darauf verzichten, ohne Angst haben zu müssen, in Zukunft nur noch durch dunkle Straßen zu laufen“, sagt Philipp. 2019 gründete er die Initiative „Paten der Nacht“, um einen bewussteren Umgang mit Kunstlicht zu erreichen. 

Earth Night und die Milchstraße über Frankfurt
2020 startete, in Anlehnung an die Earth Hour die Aktion Earth Night. Nicht nur eine Stunde, sondern eine ganze Nacht sollen immer im September zu Neumond die Lichter ausgehen. Über einhundert Städte nahmen 2022 teil, rund 30 Gemeinden konnte Philipp dazu animieren, die Straßenbeleuchtung abzustellen. Manchmal stellt sich Philipp vor, wie es wäre, wenn in einer Großstadt wirklich einmal alles Kunstlicht verschwunden wäre: „Dann könnte man von Frankfurt City aus die Milchstraße sehen.“  

Letztlich hat die Begeisterung für die Sterne den Astronomen zum Thema geführt. Auf seine Initiative entstand in den deutschen Alpen einer von insgesamt fünf Sternenparks in Deutschland: Lichtschutzgebiete mit möglichst wenig künstlicher Beleuchtung, zertifiziert durch die US-amerikanische International Dark-Sky Association (IDA). 175 solcher Dark-Sky Communities gibt es weltweit. 

© www.deutschland.de 

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