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Die Zukunft der Energiewende

Die Energiewende soll Deutschland zu einer der umweltschonendsten und energiesparsamsten Volkswirtschaften der Welt machen. Wie geht es weiter? Drei Fragen an Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie.

18.11.2016
© Petair - Fotolia - The Future of the Energy Transformation

Die großen Energiewendevorhaben dieser Legislaturperiode sind beschlossen. Im Sommer sagten Sie deshalb, dass die nächste Phase der Energiewende beginnen könne. Welche Herausforderungen bringt diese nächste Phase für den Energiemarkt?

Es ist richtig, dass wir mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, des Strommarktgesetzes und des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende die verschiedenen losen Enden der Energiewende zusammengeführt haben. Dies beinhaltet auch, dass die Energiewende jetzt eng abgestimmt ist mit unseren elektrischen Nachbarn und mit der Europäischen Kommission. Damit haben wir ein stabiles rechtliches und ökonomisches Fundament.

In den kommenden Jahren stellen wir die Weichen für 2050. In der Energiewirtschaft wirken Entscheidungen, die wir treffen, lange nach und sie sind deshalb für 2050 wichtig: Heizungen werden oft 20 Jahre und länger genutzt, Gebäude, Kraftwerke und Industrieanlagen häufig sogar mehr als 40 Jahre. Die Investitionen in den 2020er und 2030er Jahren prägen daher unser Energiesystem im Jahr 2050. Sie sollten in nachhaltige Technologien erfolgen. So können verlorene Investitionen vermieden und der Gesellschaft teure Reparaturmaßnahmen im Energiesystem in der Zukunft erspart werden. In der nächsten Phase der Energiewende müssen wir die richtigen klima- und energiepolitischen Weichen für diese Investitionsentscheidungen stellen.

Was muss die Politik in der kommenden Legislaturperiode anpacken, um die nächste Phase der Energiewende zu gestalten?

Eine der wesentlichen Herausforderungen im Rahmen der Energiewende ist die mittel- bis langfristige Senkung des Energieverbrauchs. Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Vorreitern bei der Entkopplung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum. Dennoch müssen wir unsere Anstrengungen deutlich intensivieren. Zur Frage, mit welchen nationalen wie europäischen Instrumenten wir unsere Effizienzziele erreichen können, haben wir daher vor wenigen Wochen den Dialogprozess zum „Grünbuch Energieeffizienz“ gestartet. Zusätzlich planen wir im Verlauf des Jahres einen weiteren Dialogprozess zu den Weichenstellungen zu initiieren, die für die Vollendung des Strommarktes 2.0 und die Weiterentwicklung hin zu einem Energiemarkt 2.0 getroffen werden müssen.

Ein übergreifendes, für alle Bereiche bedeutsames Thema ist die Sektorkopplung. Denn wir werden zunehmend mit erneuerbarem Strom Auto fahren, unsere Häuser heizen und in der Industrie produzieren. Wir wollen diesen Prozess als großes Modernisierungs- und Investitionsprogramm für Deutschland gestalten.

Beim dena-Kongress kommen rund 700 Entscheider und Experten aus Wirtschaft und Politik zusammen, um über die Zukunft der Energiewende zu diskutieren. Welche Frage zur Zukunft der Energiewende würden Sie den Teilnehmern des Kongresses mitgeben?

Bei allen Veränderungen, die wir in der Energiewelt derzeit erleben, bleibt die Grundfrage der Energiepolitik unverändert: Wie gewährleisten wir eine sichere, nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung? Daher erhoffe ich mir Antworten auf die Frage, wie wir auch in Zukunft in einem Energiesystem mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien und stärkerer Vernetzung durch digitale Technologien die Energieversorgung sicher und kostengünstig gewährleisten können.

dena-Kongress „Die Zukunft der Energiewende“ am 22. und 23. November 2016 in Berlin

www.dena-kongress.de

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