Le Corbusiers Werk als Welterbe

Die UNESCO entscheidet 2016, ob das Gesamtwerk des schweizerisch-französischen Architekten den Titel bekommt. Dazu gehören auch zwei Häuser in Stuttgart.

gonzalez/weissenhofmuseum - Haus Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung Stuttgart

Dieser Antrag ist wahrlich global: Argentinien, Belgien, Deutschland, Indien, Japan und die Schweiz bewerben sich gemeinsam um den Titel UNESCO-Welterbe. Was sie verbindet? In allen Ländern hat Le Corbusier, einer der bedeutendsten Architekten und Stadtplaner des 20. Jahrhunderts, Spuren hinterlassen. In Deutschland sind es zwei Häuser in der sogenannten Weißenhofsiedlung in Stuttgart, die Le Corbusier entwarf.

Die Weißenhofsiedlung mit ihren 33 Flachdachhäusern war 1927 Teil der Bauausstellung „Die Wohnung“, die zeitgemäße Antworten auf die Frage nach dem „richtigen Wohnen“ geben sollte und international Beachtung fand. Sie wurde organisiert vom Deutschen Werkbund, der Stadt Stuttgart und dem Architekten Mies van der Rohe. Die Siedlung gilt als „Manifest der Moderne“, und Le Corbusiers Entwürfe stießen dabei auf besonders großes Interesse. Unter anderem ließ sich in seinem Doppelhaus die Raumaufteilung durch Schiebewände verändern. Die Häuser zeigen „die herausragende Rolle Le Corbusiers für die Architektur des 20. Jahrhunderts“, so die Stadt Stuttgart.

Bereits der dritte Anlauf

Im Juli 2016 entscheidet die UNESCO, ob die Gebäude in Stuttgart – im Verbund mit 16 weiteren in den Partnerländern – den Titel „Welterbe“ verdienen. Für die Bewerber ist es bereits der dritte Anlauf. 2009 und 2011 war ihr Antrag abgelehnt worden, auf Empfehlung des Internationalen Rates für Denkmalpflege Icomos. Das hatte auch damit zu tun, dass das Ansinnen Fragen nach der Definition von „Welterbe“ aufwarf. Zuvor waren ausschließlich einzelne Gebäude oder Baukomplexe mit dem Titel geadelt worden. Hier sollte dagegen das Gesamtwerk eines Künstlers ausgezeichnet werden. Ob die ursprüngliche Welterbe-Idee dadurch verwässert wird, war in der Vergangenheit Gegenstand intensiver Diskussionen. Inzwischen gibt es – beispielsweise mit den Landhäusern Andrea Palladios in der Region Venetien – weitere Beispiele für Welterbe, das sich nicht auf einen einzigen Ort beschränkt. Architekturfreunde weltweit hoffen, dass es diesmal auch für Le Corbusier klappt.

Sitzung des Unesco-Welterbekomitees vom 10. bis 20. Juli 2016 in Istanbul

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www.unesco.de/kultur/welterbe/welterbe-deutschland/tentativliste.html

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