Energieeffizienz made in Germany

Ein Interview mit Energie-Expertin Claudia Kemfert über die ehrgeizigen Ziele der deutschen Energiewende.

picture-alliance/dpa - Energy Efficiency

Frau Professor Kemfert, Sie leiten die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin. Schon heute deckt Deutschland 25 Prozent seines Strombedarfs mit erneuerbaren Energien – was muss geschehen, damit es einmal 100 Prozent sind und wann könnte es so weit sein?

Der Plan der Bundesregierung sieht vor, dass bis zum Jahr 2050 der Anteil der erneuerbaren Energien auf 80 Prozent der Energieerzeugung steigen wird. Dies bedeutet, dass vor allem mehr getan werden muss, um Energie einzusparen. Und die Energiewende ist mehr als nur Strom: Auch im Gebäudeenergie- und Mobilitätsbereich muss der Anteil der erneuerbaren Energien deutlich steigen. Nur wenn man die Energiewende als Ganzes begreift, wird man diese ambitionierten Ziele überhaupt erreichen können.

Wie überzeugen Sie Kritiker der Energiewende?

Indem man vor allem einmal über die wirtschaftlichen Vorteile der Energiewende spricht. Durch das Energiesparen werden enorme Energiekosten eingespart, was die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft erhöht. Zudem entstehen durch die Investitionen in die Bereiche der Energieeffizienz sowie nachhaltiger Energieversorgung samt Mobilität Wertschöpfungen und neue Arbeitsplätze. In Zeiten zunehmender politischer Krisen muss vor allem das Energiesparen durch die Verbesserung der Energieeffizienz in den Vordergrund rücken, da dadurch die Energieimportabhängigkeit deutlich vermindert wird und die Volkswirtschaft somit weniger erpressbar ist.

Welche aktuellen Energieeffizienz-Projekte aus Deutschland haben aus Ihrer Sicht Pioniercharakter?

Mich beeindrucken vor allem Projekte, die das oftmals Unmögliche möglich machen: angefangen bei herausragenden Projekten im Gebäudeenergiebereich bis hin zu Klimaschutz von Kreuzfahrtschiffen. Es gibt so viele Projekte in Deutschland, dass es schwerfällt, ein spezielles hervorzuheben. Diese herausragenden Projekte betreten oftmals Neuland und zeigen, dass sich Nachhaltigkeit vor allem wirtschaftlich lohnt.

Wie energieeffizient leben Sie selbst?

Ich selbst nutze ausschließlich energiesparende Geräte, wohne in gedämmten Gebäuden, kaufe regionale Produkte und nutze entweder Fahrrad oder Bahn für die Fortbewegung. Meine Flugemissionen kompensiere ich durch Spenden für den Klimaschutz. Das Energiesparen schont vor allem den Geldbeutel, insbesondere durch vermiedenes Heizen.

Welche Energieeffizienz-Innovation müsste noch erfunden werden?

Die komplett ressourcenfreien IT- und Kommunikationstechnologien, welche keine seltenen Erden mehr nutzen, sondern ausschließlich erneuerbare Rohstoffe verwenden können. Zwar könnte man durch gezieltes Recycling auf einen Großteil von Rohstoffen schon heute verzichten, dennoch steigt der Energie- und Ressourcenverbrauch mit zunehmendem weltweitem Einsatz von Kommunikationstechnologie immer weiter. Eine wichtige Energieeffizienzinnovation wäre somit erneuerbare und nachhaltige Kommunikation.

dena-Energieeffizienzkongress am 11. und 12. November 2014 in Berlin

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