„Berlin ist ein Innovationszentrum“

Was den Umweltökonomen Aaron Best an seiner Arbeit für den Berliner Thinktank Ecologic Institut und der deutschen Klimapolitik begeistert.

Aaron Best
US-Umweltökonom Aaron Best Dieter Düvelmeyer

Herr Best, worin besteht die Arbeit des Ecologic Institut?

Das Ecologic Institut ist ein Thinktank mit 105 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin, Brüssel und Washington, der Forschung und Beratung zu Nachhaltigkeit, Umweltpolitik und internationaler Kooperation in diesen Bereichen leistet. Wichtig ist für uns die Verbindung zwischen Politik, Wissenschaft und Umwelt. Wir arbeiten an eigenen Forschungsprojekten sowie Aufträgen für Behörden. So ergibt sich eine schöne Mischung aus wissenschaftlicher Arbeit und praktischen Ideen, wie man Politik gestalten kann.

Wie sind Sie zum Berliner Ecologic Institut gekommen?

Ich habe 2005 und 2006 an einem Fellowship-Programm der Robert Bosch Stiftung teilgenommen. Das ist ein Programm, das jährlich 20 Amerikanerinnen und Amerikaner nach Deutschland bringt. Eine meiner Stationen war das Ecologic Institut. Es hat mir sehr gut gefallen – und daraus hat sich schließlich die langfristige Arbeit entwickelt.

An welchen Projekten arbeiten Sie?

Da ich Umweltökonom bin, haben meine Projekte fast immer einen ökonomischen Bezug. Für das Umweltbundesamt arbeite ich aktuell zum Thema Gesundheitsökonomie. Dabei geht es um die Auswirkungen umweltbedingter Krankheiten und die Frage, wer deren Kosten trägt. Für die EU habe ich ein Projekt zum Thema Kreislaufwirtschaft geleitet. Die Kreislaufwirtschaft ist ein Konzept für eine effizientere Nutzung von Ressourcen. Unsere aktuelle, lineare Wirtschaft besteht darin, Rohstoffe zu verarbeiten und den Abfall zu entsorgen. In einer Kreislaufwirtschaft werden Abfälle per Recycling zu neuen Ressourcen. Aber auch Effizienzsteigerung und die gemeinsame Nutzung von Gütern, Stichwort „sharing economy“, sind im Konzept der Kreislaufwirtschaft enthalten.

Deutschland spielt eine führende Rolle in der Klimapolitik.

US-Umweltökonom Aaron Best

Wie bewerten Sie die Klimapolitik der Bundesregierung im internationalen Vergleich?

Deutschland spielt eine führende Rolle in der Klimapolitik. Es strebt den Kohle- und Atomausstieg an und hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Deutschland sieht dies auch als Wettbewerbsvorteil in einer Ökonomie der Zukunft, in der wir energieeffizient und CO2-neutral handeln müssen. Unternehmen, die nachhaltige Technologien entwickeln, werden einen globalen Markt bedienen können.

Unterscheidet sich die wissenschaftliche Arbeit in Deutschland von jener in den USA?

Viele Projekte für die deutsche Regierung könnte ich in den USA nur als Aktivist angehen. In Deutschland besteht ein großes Interesse an Umwelt und Nachhaltigkeit sowie ein Verständnis für Umweltökonomie. Das finde ich sehr positiv.

Am Ecologic Institut waren Sie auch schon Manager des Transatlantik-Programms. Was bewirkt dieses Programm?

Wir geben Wissenschaftlern und Studierenden die Gelegenheit, Erfahrungen in Nachhaltigkeitsthemen zu sammeln. Hier in Berlin gibt es viele Programme und Technologieinitiativen, etwa den EUREF-Campus – ein Modellprojekt, dass nachhaltige Energie- und Mobilitätskonzepte erlebbar macht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können während eines Arbeitsaufenthalts an Projekten mitarbeiten. Davon profitieren beide Seiten.

Berlins wissenschaftliches Ökosystem ist bei Nachhaltigkeit weltweit führend.

US-Umweltökonom Aaron Best

Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort Berlin?

Berlin bildet mit seinen zahlreichen Instituten und Universitäten ein wissenschaftliches Ökosystem, das in Nachhaltigkeitsthemen weltweit führend ist. Gleichzeitig ist Berlin ein Innovationszentrum und Kreativstandort in einem Land, das sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt hat. Damit eignet sich die Stadt hervorragend für unsere Arbeit. Denn um das Umweltproblem zu beherrschen, brauchen wir neue Ideen und Startups. Das Zusammenspiel zwischen analytischer und kreativer Szene in Berlin finde ich bereichernd – mich als Wissenschaftler hat die Stadt sogar zur Fotografie gebracht.

Interview: Nicholas Czichi-Welzer

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