Kaufen wir bald Strom direkt vom Dach?

Wie die Blockchain-Technologie funktioniert und wie sie die Energiewirtschaft verändern könnte.

Strom direkt vom Nachbarn kaufen – Blockchain macht es möglich.
Strom direkt vom Nachbarn kaufen – Blockchain macht es möglich. Gyula Gyukli/stock.adobe.com

Deutschland. Dezentralisierung, Digitalisierung und Dekarbonisierung: Die Energiewirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Die Zahl der Produzenten steigt und stellt die etablierte Beziehung von Energieerzeuger und Verbraucher in Frage. Denn: Warum sollten Kleinproduzenten ihren Strom von der Solaranlage auf dem Dach nicht direkt an den Verbraucher verkaufen, ähnlich wie auf dem Wochenmarkt? Das ist zwar im kleinen Stil schon möglich, aber mit erheblichem Aufwand bei der Abrechnung verbunden. In der aktuellen Diskussion fällt deshalb immer häufiger das Zauberwort „Blockchain“.

Wie funktioniert Blockchain?

Blockchain ist ein dezentrales, autonomes und digitales Zahlungssystem. Es ermöglicht Privatpersonen, Transaktionen ohne Vermittlungsinstanzen vorzunehmen. Die Blockchain fungiert dabei als eine Art öffentliches „Kassenbuch“, in dem Transaktionen für alle Beteiligten sichtbar sind. Da die Transaktionen gesammelt und anschließend gebündelt werden, spricht man von einer stetig wachsenden Kette (Chain) aus Datenblöcken (Blocks). So beschreibt es die Studie „Blockchain in der Energiewirtschaft“ des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW. Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Bereich der Kryptowährungen.

Was kann Blockchain in der Energiewirtschaft leisten?

Der Einsatz von Blockchain-Verfahren könnte es Verbrauchern in naher Zukunft ermöglichen, Strom direkt beim günstigsten Erzeuger zu kaufen. Scheint die Sonne, kommt die Energie direkt von der Solaranlage aus der Nachbarschaft, bläst der Wind, kommt sie von der Nordsee. Damit sich solche kleinteiligen Geschäfte lohnen, müssen die Transaktionskosten so gering wie möglich gehalten werden. Das leistet die Blockchain-Technologie.

Wie weit ist die Blockchain-Technologie?

Die Blockchain-Technologie passt gut zu einer zunehmend dezentralen Energiewirtschaft. Nach Ansicht von Experten könnte Blockchain sogar die klassischen Versorger überflüssig machen. Allerdings müssten vor dem Einsatz im großen Stil noch regulatorische Fragen geklärt werden. Wer finanziert die Infrastruktur, also die Netze? Wer ist für die Versorgungssicherheit verantwortlich? Da ist die Politik gefragt. Das könnte wiederum eine große Chance für die Versorger sein – wenn sie sich zum Systemdienstleister entwickeln.

Livestream: Berlin Energy Transition Dialogue (BETD), 17. - 18. April 2018