Recht auf faire, sichere Arbeit

Fünf Jahre nach Rana Plaza: Wie sich Deutschland weltweit für bessere Sozial- und Umweltstandards in der Textilindustrie engagiert.

Arbeit in Textilfabriken soll fair bezahlt und sicher sein.
Arbeit in Textilfabriken soll fair bezahlt und sicher sein. dpa

Deutschland. Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch vor fünf Jahren mit mehr 1.100 Toten und fast 2.500 Verletzten hat die Branche und die Politik aufgerüttelt. Wie engagiert sich Deutschland für bessere Sozial- und Umweltstandards in der Textilindustrie? Vier Fragen und Antworten.

Was ist Deutschlands Beitrag zur Sicherheit in Textilfabriken?

Die Bundesregierung hat sich über die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) schon vor der Katastrophe in Bangladesch um bessere Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards in Textilfabriken bemüht. Allerdings wirkten die großen Bekleidungsfirmen lange nur zögerlich mit. Das Bündnis für nachhaltige Textilien, 2014 von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller initiiert, soll das ändern.

Was hat das Bündnis für nachhaltige Textilien bereits bewirkt?

Die rund 150 Mitglieder – Unternehmen, Verbände, Hilfsorganisationen, Gewerkschaften und Regierung – haben sich verbindliche Ziele gesetzt. Ob sie erfüllt werden, sollen externe Experten prüfen. Es geht um angemessene Arbeitsbedingungen, existenzsichernde Löhne, das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit sowie Sicherheit und Umweltstandards, zum Beispiel das Verbot giftiger Chemikalien. Die Firmen sollen offenlegen, mit welchen Subunternehmern sie zusammenarbeiten. Erste Erfolge sind bereits sichtbar. „Die Situation ist heute nicht mehr vergleichbar mit der Zeit vor Rana Plaza“, sagt Jürgen Janssen, Leiter des Bündnissekretariats.

Die Situation ist heute nicht mehr vergleichbar mit der Zeit vor Rana Plaza.

Jürgen Janssen, Leiter des Sekretariats des Bündnisses für nachhaltige Textilien

Warum gibt es auch Kritik am Textilbündnis?

Rund 40 Unternehmen haben das Bündnis wieder verlassen. Ihnen ist der Aufwand zu groß. Sie scheuen die geforderte Transparenz, zum Teil auch aus Wettbewerbsgründen. „Die textile Lieferkette ist weiter lang und kompliziert“, sagt Janssen. „Preisdruck, aber auch mangelnde Kontrolle schützen sicher auch heute schwarze Schafe, vor allem bei Vorlieferanten und Subunternehmen.“ Kritiker des Bündnisses halten es ohnehin für zu wenig konsequent. Und die Marktabdeckung der beteiligten Firmen sei mit 50 Prozent gering.

Worum geht es beim Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte?

Als Reaktion auf die Arbeitsbedingungen in vielen Textilfabriken hat die Bundesregierung 2016 den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) verabschiedet. Unternehmen sollen die Menschenrechte achten – in Deutschland, weltweit bei ihren Zulieferern und damit in der gesamten Produktionskette. Bis 2020 soll mindestens die Hälfte aller Unternehmen dies in ihren Prozessen verankert haben. Kritiker begrüßen den Plan, vermissen aber eine gesetzliche Verpflichtung zur Einhaltung der Menschenrechte.

Bündnis für nachhaltige Textilien

Nationaler Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte

© www.deutschland.de