„Jetzt haben wir die Verantwortung“

Licht ins dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu bringen war das Ziel eines Schülerwettbewerbs. Entstanden sind diese bewegenden Projekte.

1938 und 2018: Hier stand einmal eine Synagoge.
1938 und 2018: Hier stand einmal eine Synagoge. Irene Heinzelmann Arnold

Der Film endet mit einem Bild des Grauens: mit übereinandergestapelten, ausgemergelten Leichen. Es wird still in der Neuen Synagoge in Mainz. Aus dem Off erklingt die Stimme von Schüler Simon Leoff: „Die Nazis haben mehr als fünf Millionen Juden bis 1945 umgebracht. Gemeinsam können wir verhindern, dass sich so ein Ereignis wiederholt.“

Der Film war  einer von 26 Beiträgen zum Schülerwettbewerb „Erinnerung sichtbar machen“. Aus Anlass des 80. Jahrestages der Pogromnacht hatten der Verein „Zentrale Unterrichtsmedien im Internet“ und die Konrad-Adenauer-Stiftung Mainz Jugendliche dazu aufgerufen, sich mit dem Novemberpogrom und den Folgen auseinanderzusetzen.

Immun werden gegen die Versuchung von Rechts

Nationalsozialisten trieben am 9. November 1938 Juden durch die Straßen. Sie misshandelten sie, verwüsteten ihre Geschäfte und Wohnungen. „Wenn sich Jugendliche mit diesen grausamen Ereignissen intensiv auseinandersetzen, werden sie hoffentlich immun gegen die Versuchungen von Rechts“, sagt der ehemalige Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Schirmherr des Projekts, Johannes Gerster.

An dem Wettbewerb beteiligten sich Schulen aus acht Bundesländern – sowie die Internationale Jugendbegegnungsstätte Auschwitz und eine Schule in Mexiko.

Provokation erwünscht

Der erste Preis ging an die Filmgruppe des Willigis-Gymnasiums in Mainz. Für ihren Kurzfilm über die Pogromnacht in Mainz haben die vier Schüler historische Fotos gesammelt und Zeitzeugen interviewt. „Diese Schüler haben wirklich harte Bilder für den Film benutzt. Aber die Jugend darf, soll und muss provozieren“, sagt Gerster.

Wir haben jetzt die Verantwortung, gegen Hass in der Gesellschaft zu kämpfen.

Simon Leoff (17), Schüler aus Mainz

Bewegende Gespräche mit Zeitzeugen

„Die Gespräche mit Zeitzeugen haben mich sehr bewegt“, sagt Simon Leoff, der den Schnitt, das Drehbuch und die Vertonung des Films übernahm. „Ich hoffe, dass ihre Geschichten durch unseren Film weiterleben. Wir haben jetzt die Verantwortung, gegen Hass in der Gesellschaft anzukämpfen“, sagt der 17-Jährige.

Moritz Schneider von der Lise-Meitner-Gesamtschule in Köln stimmt zu. Er hat mit Klassenkameraden Fotos der Synagogen in Köln aus der Zeit vor 1938 ausfindig gemacht – und vom selben Standort aus die heutige Bebauung fotografiert. So entstand ein plastischer Vorher-Nachher-Vergleich. „Die Zerstörung in dieser Nacht macht mich immer noch sehr traurig“, sagt der 13-Jährige.

Die Gewinner des Schülerwettbewerbs bei der Preisverleihung
Die Gewinner des Schülerwettbewerbs bei der Preisverleihung KAS Mainz

Alle 26 Projekte des Wettbewerbs finden Sie hier: reichspogromnacht.zum.de

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