Dialog der Alumni

Wie der Alumniverein des DAAD-Programms „Sprache und Praxis in der Volksrepublik China“ die Verständigung fördert. 

Der Alumniverein SP China fördert den deutsch-chinesischen Austausch.
Der Alumniverein SP China fördert den deutsch-chinesischen Austausch. leungchopan/AdobeStock

Chinesisch lernen und dabei in die Kultur und Wirtschaft Chinas eintauchen: Das ist für deutsche Graduierte seit mehr als 25 Jahren mit dem DAAD-Stipendienprogramm „Sprache und Praxis (SP) in der Volksrepublik China“ möglich. Alumnae und Alumni des Programms haben sich 2017 zu einem Verein zusammengeschlossen und es sich dabei zur Aufgabe gemacht, die Verständigung zwischen Deutschland und China zu fördern. Ein Interview mit der Vorsitzenden des Alumnivereins SP China, Isabell Weber.

Isabell Weber, Vorsitzende des Alumnivereins SP China
Isabell Weber, Vorsitzende des Alumnivereins SP China Alumniverein SP China

Frau Weber, Ihr Alumniverein SP China bringt deutsche Graduierte mit chinesischen Unternehmen und Einrichtungen zusammen. Der Dialog mit China ist seit Beginn der Corona-Pandemie aber erschwert und auch politisch besteht nicht immer Konsens. Was bedeutet der Austausch in einer sich verändernden Welt und was trägt Ihr Alumniverein dazu bei?

Ich bin davon überzeugt, dass Stipendienprogramme wie SP China äußerst wichtig sind – gerade in der außenpolitisch angespannten Situation, in der wir uns momentan befinden. Trotz weltweiter Krisen gilt: Man muss miteinander im Austausch und in Kontakt bleiben. Deshalb ist es den Mitgliedern unseres Alumnivereins SP China ein Anliegen, den bilateralen Dialog zwischen Deutschland und China zu unterstützen. In unserem Verein diskutieren wir aktuelle gesellschaftspolitische Themen und vernetzen Alumnae und Alumni zum Erfahrungsaustausch. Da es das Programm seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt, bringen wir gemeinsam sehr viel China-Wissen mit. Dieser Austausch war bereits in den Jahren vor Corona von großem Vorteil. Das Programm ist als Förderung der Völkerverständigung zwischen China und Deutschland gedacht, und in diesem Sinne sind wir besonders in China eng mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Wirtschaft in Kontakt. Bereits als Stipendiatinnen und Stipendiaten konnten wir während unserer Praxisphase als Brücke zwischen den Kulturen wirken.

Der Alumniverein SP China bringt Kenner der Volksrepublik mit unterschiedlicher Expertise zusammen. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt? 

Wir möchten dabei helfen, auf das DAAD-Programm SP China aufmerksam zu machen. Deutsche Graduierte aus den Fachrichtungen Informatik, Natur-, Ingenieur-, Rechts-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften sowie Architektur haben mit der Initiative die Chance, China praxisnah kennenzulernen, beruflich neue Wege einzuschlagen und damit die eigene Karriere voranzutreiben. Die ersten zehn Monate verbringen die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit Chinesisch-Sprachkursen an der Beijing Foreign Studies University. Anschließend arbeiten sie in einem deutsch-chinesischen oder chinesischen Unternehmen. Das ist eine gute Kombination, die das direkte und persönliche Gespräch mit chinesischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglicht.

Welche Erfahrungen haben Sie als Stipendiatin des Programms gemacht?

Ich persönlich fand es großartig, das Land mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die fremde Kultur und die Menschen dort kennenzulernen. Die Unbefangenheit und Offenheit, mit der ich nach China gereist bin, hat mir dabei geholfen, schnell Kontakte zu knüpfen. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich beispielsweise zum Essen eingeladen, und ich habe wirklich alles probiert, was mir empfohlen wurde. Nach meinem Stipendium bin ich drei weitere Jahre in Shanghai geblieben. Jeder Tag war anders und spannend.  

Profitiert auch die chinesische Seite von dem DAAD-Programm und den Aktivitäten Ihres Alumnivereins? 

Ja, auf vielfältige Weise. Einige unserer Mitglieder haben in China selbst Unternehmen gegründet und damit Arbeitsplätze geschaffen. Andere arbeiten dort für mittelständische Unternehmen, stellen ihr Wissen zur Verfügung und treiben die regionale Expansion voran. Auch der Weg in die Selbständigkeit ist möglich: zum Beispiel als Beraterin oder Berater für deutsche und chinesische Unternehmen beim Start im jeweils anderen Land. Da zu unseren Alumnae und Alumni auch einige Architekten gehören, konnten sie um die 2010er -Jahre wichtige Impulse für die Städteplanung liefern. Ein ehemaliger Stipendiat von SP China war als Informatiker daran beteiligt, eine große Autoproduktionshalle innerhalb Pekings zu verlagern. Die freiwillige Mitarbeit an der deutschen Schule in Shanghai gehört zum Engagement unserer Mitglieder, und auch die Leitung der DAAD-Außenstelle China in Peking hat eine Alumna inne. Andere haben sich beispielsweise nach zwölf Jahren in Hongkong zu einem Fokuswechsel entschieden und arbeiten nun in Afrika für die Textilbranche oder sind dort für die Entwicklungszusammenarbeit der Vereinten Nationen aktiv. Die Vielfalt unserer tollen Mitglieder ist das, was mich besonders am SP-Programm wie auch an unserem Verein fasziniert.

© www.deutschland.de