Gemeinsam forschen

Deutschland und Polen arbeiten in der Wissenschaft eng zusammen – eine Konferenz und zwei Beispiele zeigen das eindrucksvoll.

Deutsche und Polen forschen gemeinsam in der Medizintechnik.
Deutsche und Polen forschen gemeinsam in der Medizintechnik. ronaldbonss.com

„Ich sehe gerade in einer engeren Kooperation mit Polen und Tschechien in Wissenschaft und Forschung ein ungemeines Potential, aus der Mitte der Europäischen Union heraus die Stärkung der technologischen Souveränität kraftvoll voranzutreiben“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zur Eröffnung der diesjährigen „Deutsch-Polnisch-Tschechischen Wissenschaftsplattform“ Anfang Oktober in Dresden. Auf der zweitägigen Konferenz zum Thema „Grenzüberschreitende Innovationen für Mitteleuropa“ wurden die Chancen einer nachhaltigen Wirtschaft besprochen und welche Herausforderungen mit diesem Ziel für Forschung und Wissenschaft einhergehen. Der Fokus lag dabei auf der Umgestaltung ehemaliger Kohlereviere zu innovativen Regionen im Dreiländereck Deutschlands mit Polen und Tschechien. Die EU müsse in der Lage sein, Schlüsseltechnologien zu verstehen, weiterzuentwickeln und daraus neue Geschäftsmodelle zu kreieren, erklärte Karliczek: „Ich halte es für ganz entscheidend, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union gemeinsam an einem Strang ziehen und wir unsere Stärken bündeln.“

Wir wollen gemeinsam voneinander lernen.

Anja Karliczek, Bundesforschungsministerin

Wie ernst die drei Länder die Aufgabe nehmen, zeigt sich auch an den Teilnehmern, allen voran Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, der tschechische Vizeminister für Handel und Industrie, Petr Očko, sowie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Sie stehen dafür ein, dass Deutschland, Polen und Tschechien ihre Kräfte in Forschung und Innovation weiter bündeln, auch um Impulse für die regionale Entwicklung an anderer Stelle in Europa zu geben. Ein ebenso zentrales wie schwieriges Thema ist dabei die Zukunft der Energieversorgung. „Wir wollen gemeinsam voneinander lernen“, sagte Karliczek: „Dazu gehört in besonderem Maße, dass wir in den vom Strukturwandel betroffenen Kohleregionen durch Investitionen in Forschung und Entwicklung neue Wirtschaftskreisläufe aufbauen und vor Ort hochwertige Arbeitsplätze mit attraktiven Perspektiven schaffen. Wer aus der Kohle aussteigt, muss auch kraftvoll in neue vielversprechende Zukunftsfelder einsteigen.“

Zwei herausragende Beispiele für die Wissenschaftskooperation

Die Zusammenarbeit geht weit über hochrangig besetzte Konferenzen hinaus. So arbeiten allein Forschende aus Sachsen an 161 deutsch-polnischen und 139 deutsch-tschechischen Projekten mit. Zwei besonders interessante Beispiele für die Kooperation mit Polen sind CASUS und die Internationalen Leistungszentren.

Center for Advanced Systems Understanding (CASUS) in Görlitz
Das deutsch-polnische Forschungszentrum für digitale interdisziplinäre Systemforschung wird gerade aufgebaut. Es ist an das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf angegliedert und will die besten Wissenschaftler an einem gemeinsamen Institut zusammenbringen und schon bald international einen Spitzenplatz einnehmen.
Die vier Forschungsschwerpunkte sind

  • Erforschung des Verhaltens von Materie unter extremen Bedingungen. Ein praktisches Ziel ist dabei, plasmabasierte Teilchenbeschleuniger etwa für die Bestrahlung von Tumoren oder auch Röntgenlichtquellen weiterzuentwickeln.
  • Erdsystemforschung zum besseren Verständnis des globalen Wandels mit unter anderem dem praktischen Ziel, sehr zuverlässige Prognosen für landwirtschaftliche Erträge für die nächsten 50 bis 100 Jahre zu erstellen.
  • Systembiologie, die unter anderem auf Grundlage von Algorithmen eine personalisierte Medizin ermöglichen soll.
  • Autonome Fahrzeuge, hier soll mit Konzepten des maschinellen Lernens der Verbrauch von Fahrzeugen, ihre Steuerung und die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern optimiert werden.
Anja Karliczek und Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki
Anja Karliczek und Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki privat

Internationale Leistungszentren der Fraunhofer-Gesellschaft

Gemeinsam mit der TU Liberec wird ein Leistungszentrum zur System- und Transferforschung sowie eines mit der TU Breslau zur Medizin- und Gesundheitstechnologie aufgebaut. In Breslau geht es vor allem um den 3D-Druck von Prothesen und Implantaten. Die Leistungszentren der Fraunhofer-Gesellschaft verbinden bisher nur auf regionaler Ebene die universitäre mit der außeruniversitären Forschung, mit Unternehmen und mit der Zivilgesellschaft an einem Standort. Ziel dieser Verbindung ist es, Innovationen möglichst schnell umzusetzen und zur Anwendung zu bringen. Dieses bewährte nationale Konzept wird in Zusammenarbeit mit den beiden polnische Hochschulen nun erstmals auch international umgesetzt.

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