„Es braucht Fingerspitzengefühl“

Lehren an deutschen Hochschulen: Clarissa Schöller hilft internationalen Lehrkräften auf dem Weg zur TU München. 

Clarissa Schöller managt das Ankommen in Deutschland
Clarissa Schöller managt das Ankommen in Deutschland Astrid Eckert, TU Muenchen

Deutsche Hochschulen bilden dringend benötigte Fachkräfte aus. Dafür brauchen sie auch selbst  hochqualifiziertes Personal – häufig aus dem Ausland. In solchen Fällen erleichtert das Dual Career Office der Technischen Universität München (TUM) neuberufenen Professorinnen und Professoren mit seinem Relocation-Service den Einstieg in das Berufsleben in Deutschland. Referentin Clarissa Schöller, 37 Jahre alt, hat deutschland.de ihren Job beschrieben. 

Frau Schöller, wann kommen Sie ins Spiel, wenn die TUM eine Person aus dem Ausland im Blick hat, die künftig am Standort München lehren soll?
Ist nach dem Bewerbungsverfahren klar, wen die Uni haben möchte, nehmen wir sofort Kontakt auf, also gleich zu Beginn der Verhandlungsphase. 

Wo setzen Sie mit Ihrem Relocation-Service an und warum so früh?
Es ist nicht leicht, die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu gewinnen. Der internationale Konkurrenzdruck ist groß und die Universitäten in Deutschland können bei den Gehaltszahlungen nicht immer mithalten. Wir müssen also mit der Ausstattung punkten: Wie viel Personal steht der Professorin oder dem Professor bei uns zur Verfügung, wie groß ist die Laborfläche, wie ist die die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten? Zusätzlich zu diesen harten Faktoren gehen wir mit den weichen ins Rennen – dem Relocation-Service. Welche Unterstützung braucht die Kandidatin oder der Kandidat, damit er oder sie überhaupt kommen kann? Und das ist einzelfallabhängig.  

Der internationale Konkurrenzdruck ist groß.

Clarissa Schöller, TU München

Haben Sie ein Beispiel?
Erst kürzlich haben wir einen Professor aus Italien rekrutiert, der mit seiner Frau und seinem Kind in den USA gelebt hat. Wir haben bei der Wohnungssuche unterstützt und den Umzug organisiert. Dann standen Themen wie Visa, Kinderbetreuung und Krankenkasse – sehr komplex – auf der Agenda. Wie so oft, benötigte auch die Partnerin einen Job. In diesem Fall war das ganz praktisch, weil sie Laborassistentin ist und wir zufällig eine passende Stelle im Haus hatten. Dann haben wir uns um Sprachunterricht gekümmert und damit waren die dicken Brocken schon aus dem Weg geräumt. Bankkonto eröffnen und Führerschein umschreiben lassen, ist weniger aufwendig, die Zuteilung der Steuernummer läuft automatisch. 

An was sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unbedingt denken, bevor sie nach Deutschland kommen?
Es empfiehlt sich, Apostillen für wichtige Urkunden anfertigen zu lassen. Nicht alle Originale werden bei uns anerkannt. 

Sie haben promoviert und arbeiten jetzt seit drei Jahren im Dual Career Office. Welche ist die größte Schwierigkeit Ihres Jobs?  
Der ganze Prozess ist komplex und teilweise sehr bürokratisch. Die finale Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung kann sehr lange dauern und liegt nicht in unseren Händen. Um internationale Spitzenkräfte in dieser Phase bei der Stange zu halten, braucht es wirklich Fingerspitzengefühl. Schließlich wollen sie Planungssicherheit. 

Standen Sie schon einmal vor einer Aufgabe, vor der sie tief durchatmen mussten?
Ein Professor hat ein Pferd als Haustier, das mit umziehen soll – über den Atlantik. Der Fall liegt beim Landesamt für Finanzen und ist noch nicht ganz geklärt. 

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