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Meistens überaus freundlich

Christina HenningChristina Henning, 17.03.2026
Schnitzel & Smalltalk
© master1305/AdobeStock

Eigentlich sind die Deutschen überaus freundlich. Sie engagieren sich ehrenamtlich, halten anderen die Tür auf und grüßen auch Fremde – besonders euphorisch beim Wandern, als hätte man zusammen die Alpen überquert.

Wer einen Deutschen nach dem Weg fragt, sollte für die hilfsbereite und detaillierte Erklärung sämtlicher Varianten etwas Zeit einplanen. Und natürlich sind die Deutschen – als Ausdruck von Respekt und Höflichkeit – pünktlich und zuverlässig: Sie erscheinen spätestens um 17:55 Uhr, wenn 18 Uhr verabredet war. Der Haken: Sie erwarten das auch von anderen. Und wenn die Verabredung nicht erscheint? Dann wird gemeckert: „Auf nichts und niemanden kann man sich mehr verlassen!“

Wenn Freundlichkeit in Ärger umschlägt

In Deutschland funktioniert bekanntlich vieles ziemlich gut. Und wenn nicht, sehen die Deutschen… sagen wir: Potenzial. Beim Wetter zum Beispiel. Das könnte eigentlich immer besser sein. Auch bei strahlendem Sonnenschein – zu heiß, zu stickig, zu schwül, zu trocken, man braucht Sonnencreme und überhaupt: der Klimawandel!

Wenn sonntags oder mittags Radio oder Rasenmäher des Nachbarn stören, ist der Hinweis auf die gesetzlichen Ruhezeiten nichts anderes als Qualitätsmanagement einer guten Nachbarschaft. Oder wenn plötzlich ein fremdes Auto auf dem markierten Privatparkplatz steht: Die Benachrichtigung des Abschleppdienstes fördert nur die Einhaltung von Recht und Ordnung.

Besonders gut meckert es sich gemeinsam – das weckt tiefe Verbundenheit. Wenn etwa eine knatternde Lautsprecherdurchsage verkündet, dass die Bahn mal wieder reichlich Verspätung hat, folgt ein kollektives Stöhnen: „Das ist mal wieder typisch!“. Hier wird Meckern zum solidarischen Ritual. 

Meckern für das höhere Wohl

Wenn die im Grunde freundlichen Deutschen sich ärgern, dann geschieht das nicht aus Böswilligkeit. Im Gegenteil: Sie wollen die Welt nur ein kleines bisschen besser machen – ein aufrichtiger Dienst an der Menschheit.