Ist das noch Gesang?
„Wo man singt, da lass dich ruhig nieder; böse Menschen haben keine Lieder.“ Dieses jahrhundertealte, bis heute in Deutschland gängige Sprichwort meint brave Menschen, die romantische Lyrik mit lieblichen Melodien verknüpfen. Es entstand lange bevor Trash Metal Bands anfingen, die drohende Apokalypse, das Leben in der Hölle oder den kritischen Zustand ihrer Lebern zu beschreien.
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Einverständniserklärung öffnenDeutsche Bands wie Kreator, Sodom oder Tankard demonstrieren eindrucksvoll, dass Harmonielehre und Gesang im herkömmlichen Sinne dabei absolut kontraproduktiv wären. Vielmehr geht es um ausdrucksstarkes Growlen, Shouten und Screamen. Wie in Deutschland üblich, gibt es auch für dieses gutturale Dämonen-Gebrüll eine pädagogisch ausgefeilte Ausbildung mit Zertifikat.
Rap mit rhetorischer Rohheit
Auch deutscher Rap stellt die Frage nach Gesang neu – oft in Kontexten, die eher an polizeiliche Lageberichte in urbanen Problemzonen erinnern als an friedliche Orte. Haftbefehl etwa, der in einer erfolgreichen Netflix-Dokumentation mit all seinen biografischen Schattenseiten porträtiert wird, liefert Texte, die zwischen Gangster-Mythologie, Drogenexzess und drastischer Straßensemantik oszillieren. Gesungen wird hier weniger, aber mit solcher Intensität gerappt, dass die Botschaft selbst dann durchschlägt, wenn man nur jedes zweite Wort versteht.
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Einverständniserklärung öffnenWenn das Echo aus den Bergen schmettert
Dann wäre da noch das inhaltlich eher unverdächtige Jodeln – frisch als immaterielles UNESCO-Kulturerbe geadelt und in Bayern so selbstverständlich wie die Lederhose. Technisch anspruchsvoll, ästhetisch herausfordernd, je nach akustischer Wahrnehmung erhebend oder erschütternd. Das in Deutschland weltberühmte „Jodel-Diplom“ des Komikers Loriot zeigte bereits vor Jahrzehnten, dass man diese vokale Rodeo-Technik sinnstiftend erlernen kann.
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Einverständniserklärung öffnenUnd der in Deutschland lebende „jodelnde Japaner“ Takeo Ischi beweist mit asiatischem Charme vorbildlich völkerverbindend, dass man nicht aus den Alpen kommen muss, um die höchsten Gipfel der speziellen Sangeskunst zu erstürmen.
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Einverständniserklärung öffnenKlar ist: Gesang ist alles, was die Stimmbänder hergeben. Man sollte allerdings aufpassen, wo man sich „ruhig niederlässt“.