Die „Deutsche Saison“ in Indonesien

Bis November läuft in Indonesien die Veranstaltungsreihe „Deutsche Saison“. Ein Interview über die Ziele und Inhalte mit Heinrich Blömeke, dem Projektleiter und Leiter des Goethe-Instituts Jakarta.

Goethe-Institut Indonesien/ Ramos Pane - German Season

Herr Blömeke, Anfang September ist die „Deutsche Saison“ in Indonesien gestartet. Was ist der  Anlass, was muss man sich darunter vorstellen?

Die „Deutsche Saison“ ist eine Initiative des Auswärtigen Amts und wird in Indonesien vom Goethe-Institut, der Deutschen Botschaft Jakarta und der deutsch-indonesischen Auslandshandelskammer Ekonid organisiert. Die Projektleitung wurde dem Goethe-Institut übertragen. Sogenannte Deutschlandjahre haben bereits in China, Indien, Russland oder Brasilien stattgefunden. In diesem Jahr ist Indonesien mit der „Deutschen Saison“ an der Reihe – ein Zeichen dafür, dass Indonesien – mit 250 Millionen Einwohnern das drittgrößte demokratisch regierte und das größte muslimische Land der Welt - ein wichtiger Partner für Deutschland ist. Gleichzeitig demonstriert  das Land, das in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse ist und mit erhöhter Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit rechnen kann, verstärkt Interesse  an Auftritten in internationalen Foren und internationalem Austausch.

Auf welche Basis baut das Kulturfestival auf?

Zwischen Deutschland und Indonesien besteht eine langjährige Freundschaft, sowohl auf politischer, wirtschaftlicher als auch kultureller Ebene. Die deutsch-indonesischen Kulturbeziehungen sind traditionell sehr eng und vielseitig. Angefangen haben diese bereits im 16. Jahrhundert, als deutsche Kaufleute zum ersten Mal in das damalige Ostindien reisten. Es gibt viele Deutsche, die in Indonesien gewirkt haben, wie der Künstler Walter Spies, der im 20. Jahrhundert auf Bali lebte und dort die Kunstszene nachhaltig veränderte; oder Franz Wilhelm Junghuhn, der oft als der „Humboldt Javas“ bezeichnet wird. Aber auch umgekehrt haben Indonesier in Deutschland  Spuren hinterlassen, allen voran der javanische Künstler Raden Saleh, der in den Niederlanden ausgebildet wurde und danach viele Jahre in Dresden lebte. Das Goethe-Institut ist seit Jahrzehnten mit Instituten in Jakarta und Bandung vertreten; der DAAD ist mit einem Regionalbüro und Lektoren präsent. In den sechziger und siebziger Jahren studierten über 35.000 Indonesier in Deutschland, nach Rückgängen in den neunziger Jahren steigt in den letzten Jahr die Zahl wieder:  Zur Zeit  studieren etwa 3500 Indonesier in Deutschland. Die „Deutsche Saison“ baut auf diesen guten Beziehungen auf und versucht, diese zu vertiefen und neue Perspektiven zu eröffnen.

Die „Deutsche Saison“ läuft bis November 2015. Wie viele Veranstaltungen bietet das Programm, aus welchen Bereichen, und wo finden sie statt?

Das Programm umfasst über 20 Projekte, die in verschiedenen Städten Indonesiens stattfinden. Es war uns ein großes Anliegen, nicht nur in Jakarta und Java präsent zu sein, sondern auch in Teilen des Reiches der 17.000 Inseln  wie Sumatra oder Sulawesi zu gehen, in denen man bislang vielleicht noch nicht so viel von Deutschland kennt. Das Programm ist sehr vielfältig und berührt die unterschiedlichsten Bereiche – Wissenschaft und Technik, Politik und Gesellschaft, Kultur und Sport. Dabei haben wir uns auch auf neue und innovative Formate konzentriert, die es in dieser Form in Indonesien vielleicht noch nicht gegeben hat, zum Beispiel interaktive Chorkonzerte mit dem Berliner Rundfunkchor oder eine Produktion des Berliner Theaterkollektivs  Rimini Protokoll, das in Yogyakarta Laienschauspieler auf die Bühne holt. Ein besonderer thematischer Fokus ist der urbane Raum, mit dem sich nicht nur der Eröffnungsfilm „Metropolis“ oder „100% Yogyakarta“ auseinandersetzen, sondern auch künstlerische Interventionen („Market Share“ mit Tobias Rehberger & Ade Darmawan) oder Fachkonferenzen („Green Cities“) auseinandersetzen. Um das wachsende Interesse am Studien- und Wissenschaftsstandort Deutschland weiter zu fördern, planen wir Ausstellungen zur deutschen Wissenschafts- und Forschungslandschaft („Forstering Ideas“) wie zu  „Erfinderland Deutschland“. Im fußballverrückten Indonesien  darf auch ein Fußballwettbewerb nicht fehlen. Dessen Gewinner werden ein Spiel des Fußballweltmeisters besuchen können.  

Was sind die Höhepunkte, was sollte man auf keinen Fall verpassen?

Wir haben uns sehr darum bemüht, einen großen Schwerpunkt auf Kooperationsprojekte zu legen, die einen Austausch zwischen den beiden Ländern anregen und Perspektiven der Nachhaltigkeit bieten. Höhepunkten sind die Aufführungen von Fritz Langs „Metropolis“ mit vom Filmorchester Babelsberg gespielter Livemusik, die Auftritte des Rundfunkchors Berlin mit Chören in Jakarta, Medan und Bandung oder die Begegnungen  von Spieleentwicklern aus Deutschland und Indonesien („Game Mixer“), die die Präsentation der Gewinner des Deutschen Computerspielpreises begleiten. Spannend sind auch die Konferenzen zu in beiden Ländern heiklen aktuellen Themen wie „Radikalisierung/Deradikalisierung“ und  „Religion, Staat und Gesellschaft im 21. Jahrhundert“. In Zusammenarbeit mit Frankfurter Kultureinrichtungen (IndonesiaLAB) finden auch Kooperationen zwischen deutschen und indonesischen Musikern und Choreographen statt; diese werden zunächst im Vorfeld der Buchmesse in Frankfurt präsentiert, bevor sie anschließend auch in Indonesien gezeigt werden: Bei Arbeitstreffen in Indonesien und Deutschland haben zum Beispiel die Musiker vom Ensemble Modern und junge indonesische Komponisten Werke entwickelt, die in Frankfurt, Jakarta, Bandung und Yogyakarta ihre Ur- und Erstaufführungen erfahren werden. Ähnliche Formen der Zusammenarbeit finden auch zwischen Choreographen statt. Ein weiteres Projekt, das den Aspekt der Kooperation in den Vordergrund stellt und angesichts der großen Tradition des Figurentheaters in Indonesien auf besonderes Interesse stößt, ist „Senlima“, eine Koproduktion zwischen der Puppentheatertruppe Papermoon aus Yogyakarta und den Retrofuturisten aus Berlin. Diese beiden Gruppen haben sich  in mehreren Arbeitsphasen intensiv mit dem Thema „Grenzen“ beschäftigt und daraus ein neues Stück entwickelt, das sowohl in Indonesien als auch in Deutschland gezeigt wird.

„Deutsche Saison“ in Indonesien von  September bis November 2015

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