Entdecke DE: Industriekultur

Mit der Serie „Entdecke DE“ geht es auf eine Reise quer durch Deutschland: Diesmal auf der Suche nach neuem Leben für alte Zechen – wie aus Industrierelikten einmalige Kulturlandschaften entstehen.

picture-alliance/dpa - Night of Industrial Culture in Duisburg
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Man muss sich dichten Qualm vorstellen und hämmernden Lärm. Schienenstränge, die ein scheinbar endloses Areal durchziehen. Der Landschaftspark Duisburg-Nord war einmal der Inbegriff harter Arbeit: Anfang des 20. Jahrhunderts ließ der Industrielle August Thyssen hier ein Hochofenwerk bauen, Millionen Tonnen Eisen wurden bis zur Schließung 1985 gefertigt. Wenn zum heutigen Namen des Ortes das Wörtchen „Park“ gehört, so bedeutet das nicht, dass die industrielle Vergangenheit nicht mehr spürbar wäre. Doch die alten Produktionsanlagen sind mittlerweile Schauplatz von Konzerten und Filmvorführungen unter freiem Himmel, es gibt einen Kletterpark – und im Gasometer wird getaucht.

Haben die Relikte des Industriezeitalters kulturellen Wert? Sind sie bewahrenswert, interessant, vielleicht sogar: schön? Eindeutig ja, sagen die Menschen im Ruhrgebiet, wo man viele der Zechen und Kokereien mit neuem Leben gefüllt hat. Die Idee der „Industriekultur“ gab der einst so betriebsamen Region, die nach dem Ende der massenhaften Produktion von Kohle und Stahl schwer zu kämpfen hatte, neuen Auftrieb.

400 Kilometer auf der „Route der Industriekultur“

Erkunden kann man diese einmalige Landschaft zum Beispiel bei der „Extraschicht“, der „langen Nacht der Industriekultur“. Einmal im Jahr lassen sich rund 200.000 Besucher von einem Industrie-Ort zum anderen treiben, erleben in den alten Hallen und vor der nächtlichen Kulisse der Fördertürme Musik und Tanz, Lichtkunst und Lesungen. Nicht nur an diesem, sondern auch an jedem anderen Tag lässt sich das Revier über einen 400 Kilometer langen Rundkurs mit dem Auto oder dem Rad erfahren. Die „Route der Industriekultur“ verbindet Bergarbeitersiedlungen, Aussichtspunkte und die Leuchttürme der Montanindustrie.

Zu ihnen gehört die Zeche Zollverein in Essen. Seit 2001 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe – nicht die einzige Welterbestätte in Deutschland, die eine Industrie-Vergangenheit hat und gerade deshalb geschützt wird. Ebenfalls auf der Welterbe-Liste: die Völklinger Hütte im Saarland und das Bergwerk Rammelsberg im Harz. Zwar nicht von der UNESCO geadelt, aber bei jungen Menschen sehr beliebt ist eine Halbinsel nahe Dessau, die zum Braunkohle-Tagebau gehörte und wegen der verbliebenen Maschinen heute „Ferropolis“ heißt. Geschuftet wird dort nicht mehr, „stillgelegt“ ist das Gelände deshalb aber noch lange nicht: Im Juli werden in der Stadt aus Eisen wieder tausende Besucher das Musikfestival „Melt“ feiern.

„Extraschicht – Die Nacht der Industriekultur“ am 28. Juni 2014

Festival „Melt“, vom 18. bis 20. Juli 2014

 

www.extraschicht.de

www.meltfestival.de

www.route-industriekultur.de

www.zollverein.de

www.voelklinger-huette.org

www.rammelsberg.de

 

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