Was steckt hinter der Fassade?

Das chinesische Times Art Center Berlin sucht nach der Pandemie verstärkt den interkulturellen Austausch – derzeit mit der Ausstellung „Angst, Keine Angst“

Das Times Art Center Berlin
Das Times Art Center Berlin Times Art Center Berlin

Am Touristenmagnet Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte steht, nur etwa 50 Meter die Brunnenstraße hinauf, steht ein merkwürdiges Gebäude. Die Fassade komplett mit Kunststoffplatten bedeckt, in Alurahmen gefasst – ein Wohn- und Galeriehaus, „das kaum mehr sein will als ein Rohbau mit temporärer Hülle“, wie es das Architekturmagazin Bauwelt zu dessen Fertigstellung 2009 beschrieb. Entworfen hat es Arno Brandlhuber, einer der aktuellen Kuratoren des deutschen Pavillons bei der Architektur-Biennale in Venedig.

希蓓,柏林时代艺术中心艺术总监
希蓓,柏林时代艺术中心艺术总监 Times Art Center Berlin

Seit 2019 nun ist die „Brunnenstraße 9“ Sitz des Times Art Centers Berlin, ein Ableger des Guangdong Times Museum aus der chinesischen Metropole Guangzhou. Und vermutlich hätte man sich keinen besseren Ort für die Zweigstelle eines Museums wünschen können, das selbst aus einem architektonischen Experiment heraus entstand. Finanziert vom chinesischen Immobiliengiganten Times China wurde das 2010 eröffnete Guangdong Times Museum radikal in einen bestehenden Wohnblock integriert, indem man das Gebäude auf dessen Dach platzierte. Den Entwurf dazu lieferte  der niederländische Stararchitekt Rem Koolhaas.

Dependance des Guangdong Times Museum

Das Haupthaus in China versteht sich als unabhängige Kulturinstitution, die vor allem experimentelle gesellschaftskritische Gegenwartskunst fördern will und damit explizit Bezug nimmt auf die lebendige Kreativszene im Perlflussdelta, einem Areal mit 60 Millionen Einwohnern und neun florierenden Städten. Als erste im Ausland aktive parallele Institution eines asiatischen Kunstmuseums sucht das Times Art Center Berlin nun den Austausch mit der westlichen Kunstszene. Warum man sich dafür gerade Berlin ausgesucht habe, erklärt Direktorin Bei Xi mit der lebendigen, unabhängigen Kunstszene und der Offenheit der Stadt für globale Kulturen. „Wir verstehen uns als Plattform für experimentelle und vielfältige zeitgenössische Kunstpraktiken. Dafür ist Berlin einfach der ideale Standort.“

Wir freuen uns darauf, uns für die Vielfalt zu engagieren, die direkt vor unserer Haustür in Berlin-Mitte liegt.

Bei Xi, Direktorin des Times Art Center Berlin

Gestartet ist das Times Art Center Berlin 2018, damals noch an seinem ersten Standort in der Potsdamer Straße, mit der Ausstellung „The D-Tale, Video Art from the Pearl River Delta“, ganz nach dem kuratorischen Konzept des Mutterhauses: „Die Ausstellung zielte darauf, einen wichtigen Bestandteil der chinesischen Kunstwelt zu präsentieren: die experimentelle Kunstproduktion im Perlflussdelta, die dem internationalen Publikum bisher wenig bekannt und in der globalen Kunstszene unterrepräsentiert ist“, so Bei Xi.

Für die Gruppenausstellung „Neither Black / Red / Yellow Nor Woman“ (2019) wurde ein internationales Symposium über den transregionalen Austausch in Asien mit Podiumsgästen aus dem In- und Ausland organisiert, „Readings From Below“ (2020), kuratiert von der in Berlin lebenden Kulturschaffenden Ariane Beyn, präsentierte sowohl deutsche als auch internationale Künstlerinnen und Künstler. Auch die aktuelle Ausstellung „Angst, Keine Angst“, noch zu sehen bis zum 17. Juli, basiert auf einem intensiven interkulturellen Austausch, eines vierköpfigen, deutsch-chinesischen Kuratorenteams. „Hier wurden kuratorische und künstlerische Sichtweisen erarbeitet, verschiedene, kulturelle Vorstellungen von Angst diskutiert, und sich gegenseitig viel Vertrauen und Freundschaft entgegengebracht, da die Ausstellung mitten in der globalen Gesundheitskrise entstand“, sagt Bei Xi.

Diesen interkulturellen Dialog will das Times Art Center Berlin auch in Zukunft weiterführen und intensivieren. Der Fokus liege zum einen auf unterrepräsentierten Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstpraktiken aus Asien, zum anderen wolle man eine Plattform bieten für einen breiten Austausch mit der lokalen, experimentellen Kunstszene in Berlin. Bei Xi: „Wir freuen uns darauf, unser Programm in Zukunft zu erweitern und uns weiterhin für die Vielfalt zu engagieren, die direkt vor unserer Haustür in Berlin-Mitte liegt.“

© www.deutschland.de