Chinesisch-deutsche Nachtmusik

Die besten jungen Orchestermusiker spielen derzeit bei den Young Euro Classic in Berlin. Wir haben drei getroffen – und uns etwas vorspielen lassen.

Antong Zou
Antong Zou Anika Büssemeier

Deutschland. Ab dem 17. August treffen sich in Berlin Jugendorchester aus der ganzen Welt zur Young Euro Classic. Der Deutsche Freundeskreis europäischer Jugendorchester richtet das jährliche Festival aus. Es gehört zu den weltweit wichtigsten Nachwuchsfestivals für klassische Musik. Junge Musiker aus Deutschland begegnen dort Ensembles aus Frankreich, Kuba und Ostasien. Eine Besonderheit bildet das Young Euro Classic Ensemble China-Deutschland, das zum Auftakt des Festivals Mozarts „Kleine Nachtmusik“ und sechs Inventionen von Bach spielt.

Unter der künstlerischen Leitung der in Berlin lebenden Schlagzeugerin Hu Shengnan proben 18 chinesische und deutsche Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren seit dem Wochenende für ihren ersten – und einzigen – gemeinsamen Auftritt im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Dabei kommen auch traditionelle chinesische Instrumente zum Einsatz.

Antong Zou (19), Klavier

„Ich wollte schon immer Musiker werden, deswegen war ich zuletzt auch auf einer musikbetonten Oberschule und beginne im Oktober mit dem Klavierstudium. Ich kann mich kaum an Zeiten erinnern, an denen ich nicht mindestens drei Stunden am Tag geprobt habe. Für mich ist diese Woche aber nicht nur musikalisch toll: Meine Eltern stammen beide aus China; immer wieder fahren wir dorthin und besuchen meine Großeltern. Aber chinesische Freunde habe ich nicht, ich wurde ja in Berlin geboren. Insofern lerne ich endlich auch einmal Chinesen in meinem Alter kennen. Das ist sehr interessant, und auch sehr lustig. Und ich kann manchmal ein bisschen dolmetschen.“

Nora Holtz (16), Cello

„Mit fünf Jahren habe ich begonnen, Klavier zu spielen; mit zehn kam das Cello hinzu. Als ich einen Anruf bekam, dass für dieses Projekt noch eine junge Cellistin gesucht wird, habe ich mich sehr gefreut. Besonders interessant finde ich die chinesischen Instrumente; viele kennen wir hier ja gar nicht und sie haben auch einen sehr speziellen Klang. Fasziniert hat mich, dass es in China verschiedene Sprachen gibt: Mandarin und Kantonesisch. Und auch die Proben sind etwas Besonderes, schließlich muss alles übersetzt werden. Ansonsten gibt es beim gemeinsamen Musizieren keine Unterschiede. Wenn der Dirigent etwas sagt, meinen und verstehen immer alle dasselbe.“

Chen Simi (19), Pipa

„Das erste, was ich dachte, als ich in Berlin ankam, war: Was für eine entspannte Stadt, was für eine schöne Architektur. Das hatte ich bei der Größe nicht erwartet; Beijing, wo ich nun bald ins dritte Semester komme, ist deutlich stressiger. Auch die Proben mit den deutschen Musikern machen sehr viel Spaß; es ist sehr lustig, und zwischendurch kommen wir auch dazu, mal ein bisschen zu plaudern. Pipa spiele ich bereits seit ich fünf Jahre alt bin; auch mein Vater ist Pipa-Spieler. Auch ich studiere das Instrument, das ein bisschen Ähnlichkeit mit der Gitarre hat, und möchte Profimusikerin werden. Mein Schwerpunkt liegt auf traditioneller Musik. Aber auch Pop-Musik wird in China mit der Pipa gespielt.“