„Jedem eine Stimme geben“

Andere Kulturen entdecken oder die Umwelt schützen: Stadtteil-Botschafter wollen etwas bewegen. Wir stellen euch Vane Beglaryan vor.

Die „Stadtteil-Botschafter“ machen sich für ihr Viertel stark.
Die „Stadtteil-Botschafter“ machen sich für ihr Viertel stark. Stiftung Polytechnische Gesellschaft

Menschen aus mehr als 170 Nationen wohnen in Frankfurt am Main. Das Zusammenleben ist meist friedlich, aber manchmal gibt es auch Reibungen – schon in der Schule. „Vor allem ab der Mittelstufe bilden sich durch Unwissenheit und fehlende Kommunikation schnell Vorurteile, die zu Konflikten führen können. Dadurch nimmt das Gemeinschaftsgefühl ab“, sagt die Schülerin Vane Beglaryan. „Deshalb will ich mich für ein besseres Miteinander einsetzen.“

Botschafter für Veränderung

Die 18-Jährige, deren Eltern vor 25 Jahren aus Armenien nach Deutschland kamen, ist „Stadtteil-Botschafterin“. Das einjährige Stipendium der Stiftung Polytechnische Gesellschaft richtet sich an Frankfurter zwischen 15 und 27 Jahren. Sie wollen etwas in ihrer Nachbarschaft verändern: Menschen zusammenbringen, Kulturaustausch fördern, die Umwelt schützen. „Zum Teil geht es um konkrete Probleme im Viertel, mal um gesamtgesellschaftliche Themen wie Lebensmittelverschwendung“, sagt Silja Flach, die das Programm leitet. Die Jugendlichen bekommen Coachings, Mentoren und finanzielle Unterstützung.

Als „Stadtteil-Botschafterin“ will Vane Beglaryan Mitschülerinnen und Mitschüler für andere Kulturen sensibilisieren. Sie konzipierte den Workshop „Kultur – Pur!“, in dem 50 Schüler Themen wie Multikulturalität und Heimatgefühl spielerisch erarbeiteten. Auf einem Globus markierten sie, woher ihre Familien kommen. Vane war überrascht: „Viele erzählten mir, dass sie sich nie getraut hatten, die anderen nach ihrer Herkunft zu fragen.“ Die Schüler diskutieren, wo ihre Wurzeln liegen und welchen Bezug sie zu Frankfurt haben. „Es ist wichtig, jedem eine Stimme zu geben.“

Seit 2007 wurden Projekte von 150 „Stadtteil-Botschaftern“ angestoßen, einige davon, wie das „Repair Café“, ein Mitmach-Garten oder ein Kletterturm, haben sich dauerhaft etabliert.  Auch Vane wird sich weiter engagieren: Sie gründet einen Verein, der das interkulturelle Verständnis von Jugendlichen stärken soll. „Ein Schüler erzählte mir, dass er sich durch den Workshop nun stärker in Frankfurt zuhause fühlt. Das hat mich sehr berührt.“ Das hat Vane bestärkt, auch künftig demokratische Werte zu vermitteln, den Zusammenhalt zu fördern – und Jugendlichen bewusst zu machen: Frankfurt, das ist auch ihre Heimat.

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