Wo der Koch nie Pause hat
30 Gerichte in wenigen Minuten, rund um die Uhr einsatzbereit: Wie deutsche Unternehmen mit Roboterküchen die Verpflegung von Streitkräften verändern.
Essenszeit auf dem US-Militärstützpunkt Camp Walker in Südkorea. Vor einem schwarzen Container warten Soldatinnen und Soldaten auf ihre Mahlzeit. Hinter Glas arbeitet der Koch im Akkord: Er greift nach Zutaten, rührt, portioniert und bereitet ein Gericht nach dem anderen zu. Eine Pause braucht er nicht. Denn gekocht wird hier von einem Roboter, entwickelt vom Hamburger Foodtech-Unternehmen Goodbytz.
Warum setzt das Militär auf Kochroboter?
Die Verpflegung von Streitkräften ist eine logistische Herausforderung. In klassischen Feldversorgungssystemen bereiten Teams die Mahlzeiten zentral zu, verpacken sie und transportieren sie anschließend zu den Einheiten. Bis das Essen bei den Soldatinnen und Soldaten ankam, war es mitunter nur noch lauwarm. Eine Untersuchung des US-amerikanischen National Research Council zeigte, warum: Zwischen Zubereitung und Ausgabe konnten sechs bis sieben Stunden vergehen.
Autonome Küchensysteme sollen genau diese Wege verkürzen: Sie bereiten Mahlzeiten näher an den Einheiten zu und geben sie aus, wenn sie gebraucht werden. Das entlastet zugleich das Personal und macht feste Essenszeiten weniger wichtig.
Wie funktioniert eine mobile Roboterküche?
Neben stationären Roboterküchen hat Goodbytz ein mobiles System in einem transportablen 20-Fuß-Container entwickelt. Eine Küche im standardisierten Container lässt sich vergleichsweise einfach verlegen und dort einsetzen, wo keine feste Kantine vorhanden ist. „So können wir auch dort eine zuverlässige Versorgung ermöglichen, wo Personal knapp ist oder rund um die Uhr Essen benötigt wird“, sagt Hendrik Susemihl, CEO und Co-Founder von Goodbytz. Die Containerküche läuft bei Bedarf über einen Generator. Ein integriertes Kühlsystem temperiert die Zutaten während des Transports. 30 frisch gekochte Gerichte stelle der Roboter innerhalb weniger Minuten bereit, so das Unternehmen.
Auf das gleiche Prinzip setzt das Münchener Unternehmen Circus SE. Für Verteidigung und Zivilschutz hat es ebenfalls eine mobile Roboterküche entwickelt. Die isolierte Containerbauweise soll Temperatur und Lagerbedingungen stabil halten und so Einsätze auch unter schwierigen Bedingungen ermöglichen. Bis zu 40 Mahlzeiten kann das System nach Unternehmensangaben gleichzeitig servierbereit halten. „In Kriegs- und Krisensituationen ist die Versorgung des Militärpersonals genauso wichtig wie dessen Ausrüstung“, sagt Geschäftsführer Nikolas Bullwinkel.
Wo sind deutsche Roboterküchen bereits im Einsatz?
Das US-Militär nutzt Systeme vom Goodbytz bereits an mehreren Standorten: In Südkorea betreibt das Militär eine stationäre Roboterküche in Camp Walker und setzt auch das mobile System als Feldküche ein. Außerdem steht ein weiteres autonomes Küchensystem von Goodbytz auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood in Texas. „Dass unsere Technologie nun auf einer der größten Militärbasen der USA zum Einsatz kommt, ist ein starkes Signal dafür, wie Robotik die Lebensmittelversorgung verändern wird“, sagt Susemihl. 20 weitere Kochroboter aus Deutschland hat das US-Militär bereits bestellt.
Circus Se konnte ebenfalls erste Kunden im Militärbereich gewinnen. Anfang 2026 erhielt das Unternehmen einen Auftrag der Bundeswehr für die Lieferung eines Kochroboters und gewann den Zuschlag einer öffentlichen Ausschreibung für autonome Verpflegungsversorgung der litauischen Streitkräfte an der NATO-Ostflanke. Im Juli folgte eine Zusammenarbeit mit den ukrainischen Streitkräften. Seitdem unterstützt die robotergestützte Technologie die Truppenversorgung der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen im Raum Kiew.
Doch die mobilen Küchen sind nicht allein für Streitkräfte gedacht. Wo Infrastruktur ausfällt oder innerhalb kurzer Zeit viele Menschen versorgt werden müssen, können sie auch im Zivilschutz eingesetzt werden, etwa nach Naturkatastrophen oder in Notunterkünften. Der Koch hinter Glas könnte also künftig nicht nur Soldatinnen und Soldaten versorgen.