Trend zur Abfallvermeidung

Beim Recycling ist Deutschland europaweit Spitze, jetzt gibt es auch einen Trend zur Müllvermeidung: Precycling.

Katharina Massmann - waste prevention

Manchmal stimmen Klischee und Wirklichkeit überein: Mülltrennung gilt als typisch deutsch. Und ein Blick auf die europäischen Abfallstatistiken zeigt: Wenn es darum geht, Abfälle zu recyceln, steht Deutschland tatsächlich an erster Stelle, gefolgt von Österreich und Belgien. In Deutschland werden laut Abfallstatistik von Eurostat rund 65 Prozent des Mülls verwertet. Der Recyclinganteil in Deutschland beträgt 47 Prozent und der Anteil der kompostierten Abfälle liegt bei 18 Prozent. Das ist eine wichtige Errungenschaft und trägt zum Klima- und Ressourcenschutz bei. Doch weltweit entsteht noch zu viel Müll, mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Laut einer neuen Hochrechnung  von Wissenschaftlern aus Kaliforniern treiben allein auf den Weltmeeren mehr als fünf Billionen Plastikteile mit einem Gesamtgewicht von fast 270.000 Tonnen. Das sei so viel Abfall, wie nicht einmal in 38.500 Müllwagen passe, schreiben die Autoren einer Studie, die das Fachjournal „Plos One“ Ende 2014 veröffentlichte.

Precycling in Berlin

Bei der Müllvermeidung gibt es auch im Recylingland Deutschland noch viel zu tun. Denn der beste Abfall bleibt der, der gar nicht erst entsteht. Das haben sich auch die Gründerinnen des ersten deutschen Supermarkts ohne Müllberge gedacht. Mitten im Szenestadtteil Berlin-Kreuzberg eröffneten zwei junge Frauen im Herbst 2014 ihr Start-up. Es funktioniert so: Die Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit. Die Gläser, Dosen oder Beutel werden gewogen und an der Kasse wird nur das Netto-Gewicht der Einkäufe bezahlt. Rund 400 Produkte umfasst bisher das Sortiment: vom Tofu bis zum Backpulver, von der Bodylotion bis zu Zahnpastatabletten – alles wird lose verkauft.  Die Philosophie der Müllvermeidung gilt nicht nur für den Endverbraucher, sondern für die gesamte Lieferkette. Ähnliche Initiativen wie „Original Unverpackt“ gibt es in London und in Austin/Texas. Das Berliner Start-up sorgt auch international für  Echo, das zeigen unter anderem die Beiträge der mehr als  50.000  Facebook-Fans und Franchise-Anfragen aus Südamerika und Australien. Ihr Konzept – in der Fachwelt gibt es dafür den Begriff „Precycling“ – habe zwei Vorteile, erklärte „Original Unverpackt“-Gründerin Milena Glimbovski, in Zeitungsinterviews: Erstens werde auf diese Weise der Verpackungsmüll beim Einkaufen weitgehend vermieden und zweitens kauften die Leute nur die Menge ein, die sie wirklich brauchen.    

http://original-unverpackt.de

http://0waste.de

www.umweltbundesamt.de

http://ec.europa.eu/eurostat/waste

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