Der Krieg trifft Frauen und Kinder

Manuela Roßbach von „Aktion Deutschland Hilft“ über eine der größten deutschen Hilfsaktionen der letzten Jahrzehnte.

Kind an der ukrainisch-rumänischen Grenze
Kind an der ukrainisch-rumänischen Grenze World Vision

Frau Roßbach, wie ist die Lage bei Ihnen, dem Bündnis deutscher Hilfsorganisationen?
Aktuell sind alle 21 Organisationen unseres Bündnisses im Nothilfeeinsatz für die Menschen in und aus der Ukraine und leisten humanitäre Hilfe. Die Hilfe teilt sich in drei regionale Stränge: in der Ukraine, in den Nachbarstaaten und in Deutschland. In der Ukraine und den Nachbarstaaten gibt es das klassische Hilfsangebot mit medizinischen Mitteln, mit Wasser, Lebensmitteln, Hygienepaketen, Notunterkünften und diese teilweise mit psychosozialer Betreuung, die für die Flüchtenden eine ganz große Hilfe darstellen. In Deutschland wiederum findet die Vorbereitung für die Erstaufnahmeeinrichtungen statt. Hier bereiten die Helferinnen und Helfer unserer Bündnisorganisationen sich auf weitere Bewegungen von Geflüchteten vor, so dass die Hilfe auch dort sehr gut vorbereitet und verteilt ist. Wir stellen uns auf einen Nothilfeeinsatz ein, der noch lange anhalten wird.

Manche Kinder kommen ganz alleine

Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von „Aktion Deutschland Hilft“

Es fliehen vor allem Frauen und Kinder…
Ja, die Kinder trifft der Krieg mit voller Wucht. Es sind Hunderttausende, die dem Krieg in der Ukraine entkommen möchten. Da Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren aufgrund der allgemeinen Mobilmachung im Land bleiben müssen, sind es überwiegend Frauen, Kinder und Ältere, die die beschwerliche Flucht antreten können. Sie sind in ganz besonderem Maße auf unseren Schutz angewiesen. Und dafür sorgen wir auch: World Vision hat Kinderschutzzentren an der rumänisch-ukrainischen Grenze errichtet. Dort finden die Mädchen und Jungen Ruhe und Sicherheit, können spielen, basteln und lernen. Manche kommen ganz allein. Die Johanniter haben 65 schwerkranke evakuierte Kinder mit ihren Familienangehörigen in polnischen Kliniken abgeholt und nach Deutschland gebracht. In deutschen Krankenhäusern erhalten sie jetzt lebenswichtige medizinische Behandlungen, um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen.

Manuela Roßbach, Chefin von „Aktion Deutschland Hilft"
Manuela Roßbach, Chefin von „Aktion Deutschland Hilft" Aktion Deutschland Hilft/Tobias Koch

Wie viele Menschen sind betroffen?
Laut UN OCHA sind 18 Millionen Menschen in der Ukraine von den Auswirkungen des Krieges betroffen, 12 Millionen sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als 3 Millionen Menschen sind seit Beginn des Konfliktes geflohen. Ein Großteil der Menschen ist in Polen untergekommen. Auch in Ungarn, der Slowakei, Rumänien und der Republik Moldau (Moldawien) sind Zehn- bis Hunderttausende angekommen. In Deutschland sind nach offiziellen Angaben bislang mehr als 260.000 Geflüchtete aus der Ukraine. Die UN erwarten bis zu 10 Millionen Geflüchtete und warnt vor der möglicherweise größten Flüchtlingskrise in Europa in diesem Jahrhundert.

Wie schätzen Sie die Solidarität in Deutschland ein?
Seit Beginn des Krieges erreicht uns eine große Welle der Solidarität, die bis heute anhält. Die Spendenbereitschaft ist jetzt schon um ein Vielfaches höher als bei andere Katastrophen. Sie ist vergleichbar mit der für die Hilfe nach dem „Tsunami 2004“ und dem „Hochwasser 2021“. Gleichzeitig stehen andere Krisen wie der Hunger im Jemen, der Krieg in Syrien oder die Dürre in Afrika im Schatten der Aufmerksamkeit. Hier verhungern und verdursten Kinder, Frauen und Männer. Wir dürfen diese Menschen nicht vergessen und benötigen auch hier dringend Mittel, um weiter humanitäre Hilfe leisten zu können.

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