Zebras und Covid

Der Corona-Expertenrat berät in Deutschland die Bundesregierung. Hier lernst du ein Mitglied kennen: Viola Priesemann

Viola Priesemann vom Corona-Expertenrat
Viola Priesemann vom Corona-Expertenrat Imago

Die Bundesregierung wird in vielen wichtigen Gebieten von Fachleuten aus Wissenschaft und Forschung in Deutschland beraten. Wir stellen euch die wichtigsten Persönlichkeiten und Gremien vor. Hier Viola Priesemann, Mitglied im Corona-Expertenrat.

Zebras. Oft, wenn Journalistinnen und Journalisten die Physikerin treffen, um mehr über sie und ihre Forschung zu erfahren, geht es irgendwann im Gespräch um die Tiere mit dem schwarz-weiß-gestreiften Fell. Denn dass diese Muster überhaupt entstehen, hat mit komplexer Mathematik zu tun, mit der Art und Weise, wie zwei chemische Stoffe im Inneren der Tiere miteinander interagieren. Und genau das fasziniert Viola Priesemann seit ihrer Studienzeit: wie es möglich ist, den Rätseln unserer so chaotisch wirkenden Welt mit der präzisen Sprache der Mathematik auf die Spur zu kommen?

Was haben Zebras mit Mathematik und Corona zu tun?
Was haben Zebras mit Mathematik und Corona zu tun? Imago

So ist es auch zu verstehen, warum die Wissenschaftlerin, die seit 2016 die Forschungsgruppe „Theorie neuronaler Systeme“ am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen leitet, Anfang 2020 begann, sich für die Ausbreitung des Coronavirus zu interessieren. Priesemanns Spezialgebiet ist die Modellierung der Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn. Und Corona und Hirnforschung haben etwas gemeinsam. In beiden Fällen geht es darum, von einem kleinen, gut beobachtbaren Teil unter großer Unsicherheit Schlüsse auf das große Ganze zu ziehen.

Die Physikerin gilt als Corona-Expertin

Studiert hat die 39-jährige Wissenschaftlerin Physik an der TU-Darmstadt, sie forschte beim Hirnforscher Wolf Singer am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main. Die von ihrem Team in Göttingen zur Untersuchung von Neuronen entwickelten mathematischen Modelle passt sie laufend auf die Anwendung zur Corona-Fallzahlenmodellierung an. In der Politik hat sich Priesemann damit längst Gehör verschafft, in Talkshows gilt sie als wichtige Corona-Expertin.

Priesemann liebt die interdisziplinäre Arbeit. Während ihrer Zeit in Frankfurt veranstaltete sie Salons mit Freunden aus Philosophie, Soziologie, Ökonomie, um die Finanzkrise zu verstehen. Nach Corona würde sie die Treffen gerne wiederbeleben, neue komplexe Phänomene diskutieren – etwa die Konzentration von Macht. Und dabei ihren Teil zum Verständnis liefern. „Schwarz die Macht, weiß die Ohnmacht, wie vermischen sie sich, welche Muster bilden sie?“, heißt es dazu in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Ein neues Zebra-Rätsel für Priesemann.

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