Die Minenjägerin
Seeminen bedrohen die zentrale Handelsroute der Straße von Hormus. Marineoffizierin Inka von Puttkamer bereitet Deutschlands Minenjagd vor.
Seeminen zählen zu den größten Risiken für die internationale Schifffahrt. Diese kaum sichtbare Bedrohung in den Griff zu bekommen, ist die Aufgabe von Inka von Puttkamer. Die Marineoffizierin führt das Minensuchgeschwader Deutschlands – und steht damit im Zentrum eines Einsatzes, der derzeit globale Bedeutung hat: die Sicherung der Straße von Hormus.
Ein Minenjagdboot ihres Verbandes, die „Fulda“, wird nun ins Mittelmeer verlegt und ist Teil eines NATO-Minenabwehrverbands – zunächst nur zur sogenannten Vorausstationierung. Dort wird die Marine ihre Fähigkeiten einsatzbereit halten, mit Blick auf einen möglichen Auftrag zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Durch die Verlegung werde „wertvolle Zeit gespart, um die im Bündnis hoch anerkannten Minenjagd-Fähigkeiten der ‚Fulda‘ schnell in den Einsatz zu bringen“, erklärte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums.
Die unsichtbare Gefahr im Meer
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt – rund ein Fünftel des globalen Öltransports passiert sie. Doch seit Beginn des Krieges in Iran ist die Meerenge nur stark eingeschränkt durchfahrbar. Hintergrund sind unter anderem Berichte und Drohungen, dass Iran Seeminen in dem Gebiet verlegt hat oder verlegen könnte. Für die internationale Schifffahrt ist das eine ernste Gefahr – schon der Verdacht auf Minen reicht aus, um eine Route praktisch lahmzulegen.
Seeminen zählen zu den effektivsten, aber auch unberechenbarsten Waffen auf See. Sie reagieren auf Magnetfelder, Geräusche oder Druckveränderungen im Wasser und können selbst große Schiffe schwer beschädigen oder versenken. Gleichzeitig sind sie schwer zu orten und oft nicht exakt dokumentiert, was sie auch lange nach ihrer Verlegung gefährlich macht. Die Suche und Beseitigung der Minen ist eine technisch anspruchsvolle Aufgabe.
Geräuschlose Operation in verminten Gebieten
Hier kommt Inka von Puttkamer ins Spiel. In Kiel hat die 43-jährige Fregattenkapitänin mit ihrem Team bereits mögliche Einsatzszenarien vorbereitet: von der Anpassung der Technik an extreme Temperaturen bis zur Planung von Versorgungsrouten in der Region. „Wir haben Soldaten, die immer in hoher Einsatzbereitschaft sind. Aber natürlich muss man auch darüber sprechen, dass man sich auf ein bestimmtes Seegebiet anders vorbereitet als auf Nord- und Ostsee“, erklärte von Puttkamer im April gegenüber der dpa.
Die deutschen Minenjagdboote sind speziell darauf ausgelegt, von Seeminen nicht erkannt zu werden. Ihre Rümpfe bestehen aus nicht-magnetischem Stahl, zusätzlich reduzieren spezielle Anlagen ihre elektromagnetische Signatur. Auch akustisch sind die Boote durch ihre langsame und leise Fahrweise kaum ortbar. Die Boote und Sensoren sind zwar für das heimische Seegebiet ausgelegt. „Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch woanders eingesetzt werden können“, sagte von Puttkamer.
Warten auf das Bundestagsmandat und ein Ende der Kampfhandlungen
Die Kommandeurin kennt die Marine von klein auf – ihr Vater war Kapitän. Heute ist sie eine der wenigen Frauen in einer solchen Führungsposition bei der Bundeswehr. Sie koordiniert ein spezialisiertes Team und arbeitet eng mit internationalen Partnern zusammen, denn Minenjagd ist Teamarbeit: Die vergleichsweise leicht bewaffneten Boote sind auf Schutz durch andere Einheiten angewiesen.
Ob es tatsächlich zu einem Einsatz in der Straße von Hormus kommt, hängt von politischen Entscheidungen und der weiteren Entwicklung im Konflikt ab. Durch ihre Verlegung ins Mittelmeer ist die „Fulda“ jedoch kurzfristig verfügbar, wenn die Kampfhandlungen beendet wurden und der Deutsche Bundestag das Mandat zur Sicherung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus erteilen sollte.