Keine Leben ohne Artenvielfalt

Warum er Artenschutz für wichtiger hält als den Klimaschutz, erklärt Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Dirk Steffens im Interview.

 Dirk Steffens moderiert die beliebte Dokureihe Terra-X.
Dirk Steffens moderiert die beliebte Dokureihe Terra-X. Tobias Schult

Dirk Steffens ist als Moderator von zahlreichen Natur- und Wissenssendungen im deutschen  Fernsehen bekannt. Seit über 30 Jahren reist er zu den eindrucksvollsten Naturwundern der Welt und berichtet aus den entlegensten Winkeln des Planeten. Dafür wurde er mit der Goldenen Kamera und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Herr Steffens, wieso liegt Ihnen das Thema Artenschutz so am Herzen?
Ich mache seit 30 Jahren Naturfilme. Da weitet sich der Blick für die großen Zusammenhänge. Irgendwann stellte sich für mich dieses Gefühl ein, dass die ganze Erde eigentlich nur ein großer  lebender Organismus ist. Jedes Mal, wenn wir da etwas raus nehmen, wird dieser Organismus schwächer.

Wieso nimmt der Artenschutz für Sie eine Schlüsselposition im Umweltschutz ein?
Die Klimakrise bedroht die Art und Weise wie wir leben. Aber das Artensterben stellt in Frage, ob wir überhaupt leben. Denn ohne Artenvielfalt kann kein Mensch auf diesem Planeten existieren. Aktuell erleben wir das schlimmste Artensterben seit den Dinosauriern, hervorgerufen durch den Menschen. Wir verlieren schätzungsweise 150 Arten pro Tag. Wenn das Artensterben in diesem Tempo weitergeht, dann wird es irgendwann dazu kommen, dass Ökosysteme kollabieren.

Mit welchen Problemen werden Arten in Deutschland konfrontiert?
Wenn wir auf Deutschland schauen, dann ist das vor allem die Landwirtschaft. Die Kombination aus Monokulturen, der Mechanisierung der Landwirtschaft, also der Nutzung von immer größeren und schweren Maschinen und damit auch die Bewirtschaftung größerer Felder, der Einsatz von Chemie und die Konzentration auf wenige Nutzpflanzen. Die gute Nachricht ist, dass die Landwirte eigentlich gerne biologisch anbauen möchten. Das Problem ist der Preisdruck auf dem Markt. Durch unser Konsumverhalten zwingen wir die Landwirte zu einer Produktionsweise, die sie selbst gar nicht wollen.

Die Corona-Krise wird uns helfen, die Welt besser zu verstehen

Dirk Steffens

Was kann jeder Einzelne tun, um dem Artensterben entgegen zu wirken?
Jeder von uns trifft jeden Tag Entscheidungen die damit zu tun haben, wie die Welt funktioniert. Wir lenken den Markt. Wenn wir nur noch in ökologische Produkte investieren, dann gibt es auch nur noch ökologische Produkte.

Hat die Corona-Krise dazu beigetragen, dass dem Artenschutz ein neuer Stellenwert eingeräumt wurde?
Dass Artenschutz und Pandemien zusammenhängen war vor einem Jahr noch eine Neuigkeit. Mittlerweile weiß so gut wie jeder, dass Naturzerstörung die Entstehung neuer Pandemien begünstigt. Durch Corona ist das Bewusstsein dafür gestiegen. Ich denke, dass die Krise uns langfristig dabei helfen wird, die Welt besser zu verstehen.

Welche Möglichkeiten hat die Politik, um dem Artensterben entgegenzuwirken?
Die Politik kann zum Beispiel ökologische Produkte subventionieren. Der Öko-Apfel sollte nicht teurer sein als der konventionelle Apfel. Die einfachste Methode ist über Steuern oder Steuererlasse das ökologische Produkt günstiger zu machen. Der deutsche Staat macht das zum Beispiel schon durch die CO2-Steuer. Aber es läuft noch zu zögerlich.

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