„Natur Natur sein lassen“

Schutzgebiete in Deutschland – Peter Südbeck erklärt im Interview ihre Bedeutung für die Menschen und die Umwelt.

Junge Kegelrobbe im Schutzgebiet auf Helgoland
Junge Kegelrobbe im Schutzgebiet auf Helgoland nightsphotos - stock.adobe.com

Der Verein Nationale Naturlandschaften ist das Bündnis der Großschutzgebiete in Deutschland. Vorstandsvorsitzender ist Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer.

Herr Südbeck, wie werden die Schutzgebiete und die mit ihnen verbundenen Einschränkungen von der Bevölkerung angenommen?
Die Bevölkerung in Deutschland kennt unsere Arbeit, unterstützt diese vor allem in ihrem Kernanliegen, dem Schutz der Tiere und Pflanzen und ihrer Lebensräume. Sie ist davon überzeugt, dass Schutzmaßnahmen erforderlich sind, dass dazu das Zulassen natürlich dynamischer veränderlicher Natur gut und wichtig ist – Natur Natur sein lassen oder eben Wildnis – und dass man deswegen dort nicht alles darf. Neben dem Naturschutz nehmen wir in der Gesellschaft zudem ein verstärktes Interesse und Wertschätzung für unser Wirken in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit wahr. Dieses mittlerweile gut belegte Wissen um die Akzeptanz für unsere Arbeit ist Motivation und Ansporn zugleich.

Wie viele Menschen arbeiten in den Schutzgebieten?
Fast 2.000 hoch motivierte Kolleginnen und Kollegen arbeiten in den Nationalen Naturlandschaften, unter ihnen mehr als 500 Rangerinnen und Ranger – und viele, viele mehr profitieren mittelbar von den positiven Effekten der Nationalen Naturlandschaften auf die nachhaltige Entwicklung in deren Regionen, so etwa unsere über 2.000 zertifizierten Nationalpark- und Biosphärenreservatspartner, die mit uns die gemeinsame Vision teilen, Natur mit Freude zu bewahren und nachhaltig sowie klimaneutral zu leben. Dabei haben unsere Rangerinnen und Ranger eine herausragende Bedeutung.

Peter Südbeck im Nationalpark niedersächsisches Wattenmeer
Peter Südbeck im Nationalpark niedersächsisches Wattenmeer Saskia Schutter

Ranger und Rangerinnen – was sind ihre Aufgaben?
Unsere Rangerinnen und Ranger – das haben sowohl die Naturbewusstseinsstudie als auch das Corona-Jahr gezeigt – haben eine herausragende Bedeutung. Sie sind das Sprachrohr der Nationalen Naturlandschaften, denn sie sind direkt in den Gebieten unterwegs und im Dialog mit den Besuchern. Sie passen auf, halten die Infrastruktur intakt, aber vor allem: Sie können den Menschen Fragen beantworten, sie können ihnen die Natur bei einer Rangerführung unmittelbar näherbringen und so die Faszination Natur direkt weitertragen als Fundament für das eigene Verhalten der Besucherinnen und Besucher. Der weitere Ausbau eines hochqualifizierten Rangersystems in den deutschen Großschutzgebieten ist ein Schlüsselfaktor für die Schutzgebiete der Zukunft in Deutschland.

Wie hat sich Corona auf die Wahrnehmung der Nationalen Naturlandschaften ausgewirkt?
Ich erkenne da eine Sehnsuchtsfunktion von wunderbarer Natur in unseren Schutzgebieten in schwieriger Zeit, von Rückbesinnung auf die Werte um uns herum, auf Vertrautes, Freies und auch durch uns Menschen Unverändertes. Dies ist eine heilende Wirkung von Natur für uns Menschen, wofür die Nationalen Naturlandschaften in besonderer Weise stehen. Corona hat sicher viele zum Nachdenken über unseren Umgang mit Natur und Umwelt gebracht. Auch das ist eine bedeutende Funktion von Schutzgebieten, gerade Nationalparks, die für solche Ursprünglichkeit stehen und natürliche Dynamik zulassen. Wir erleben eine sehr starke Zunahme der Besuchszahlen, vor allem nahe städtischen Ballungsräumen gelegenen Nationalparks, aber nicht nur dort. Damit sind leider auch verbunden Verkehrschaos, überfüllte Parkplätze, Störungen in sensiblen Räumen, Trittschäden der Vegetation. Auch das unterstreicht, wie wichtig es ist, die Betreuung durch Rangerinnen und Ranger in den Schutzgebieten systematisch auszubauen und die Nationalen Naturlandschaften zur Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen stärker zu fördern – zum Vorteil der Natur und von uns Menschen!

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