Wie heißt die Antwort auf das Abkommen?

China hat mit asiatischen Staaten das größte Freihandelsabkommen der Welt abgeschlossen. Weltwirtschaftsexperte Gabriel Felbermayr erklärt, was das bedeutet.

Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft
Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft dpa

Herr Professor Felbermayr, China und 14 andere Asien-Pazifik-Staaten haben mit der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) das größte Freihandelsabkommen der Welt abgeschlossen. Welche Verschiebungen ergeben sich dadurch international und mit Blick auf die EU?

Die RCEP umfasst zwar 30 Prozent der Weltbevölkerung und 30 Prozent der Weltwertschöpfung. Aber in der Region gab es schon davor zwischen allen beteiligten Ländern Freihandelsverträge – außer zwischen Japan und China und zwischen Japan und Korea. Diese Lücken wurden nun gefüllt. Außerdem werden bestehende Regeln harmonisiert und vereinfacht. Der Westen sieht sich einem zunehmend starken Asien-Block gegenüber.

Europa hat mit wichtigen RCEP-Partnern bereits bilaterale Handelsabkommen, etwa mit Japan, Korea, Singapur oder Vietnam. Mit den anderen ASEAN-Ländern wird aktuell verhandelt, ebenso mit Australien und Neuseeland. Der Druck, hier zu Abschlüssen zu kommen, steigt. Wenn das nicht gelingt, droht Europa aus diesen wichtigen Märkten gedrängt zu werden.

Chinesisches Container-Frachtschiff im Hamburger Hafen
Chinesisches Container-Frachtschiff im Hamburger Hafen dpa

Wenn man so will, ist das der Rückzug Chinas aus der Globalisierung.

Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft

Der neue Fünfjahresplan hat es ja schon angedeutet: China strebt eine größere Selbständigkeit vom Rest der (westlichen) Welt an. Was bedeutet das für die deutsche Wirtschaft?

Chinas Bestreben, unabhängiger vom internationalen Handel zu werden und den wirtschaftlichen Aufschwung vermehrt aus eigener Kraft zu schaffen, ist schon seit Anfang 2007 zu beobachten. Seit dieser Zeit werden von den in China produzierten Gütern immer weniger gehandelt und stattdessen auf dem heimischen Markt angeboten und abgesetzt. Unter Ju Jintao sank der Anteil der gehandelten an den produzierten Gütern um über 4 Prozent, unter Xi Jinping um rund 5 Prozent. Wenn man so will, belegen diese Zahlen den Rückzug Chinas aus der Globalisierung. Für Deutschland sind das schlechte Nachrichten. Wir sind wegen der Alterung der Bevölkerung ganz dringend auf Produktivitätswachstum angewiesen, also darauf, dass weniger Erwerbstätige mehr produzieren können. Das geht nur mit internationaler Arbeitsteilung. Die Lücke, die China hinterlässt, muss Deutschland mit anderen Handelspartnern füllen, wenn es seinen Wohlstand erhalten will. 

Die Verhandlungen über ein Investitionsabkommen zwischen der EU und China stocken. Woran liegt es? Und was könnte dieses Abkommen bringen?

Die EU fordert von China weitere Zugeständnisse beim Thema Marktzugang und bei den Wettbewerbsbedingungen, was sich offenbar schwierig gestaltet. Ein zentrales Problem bisher war, dass Europa sehr offen war, und daher den Chinesen wenig zusätzliche Marktöffnung anbieten konnte. Das ändert sich aber insofern, als die Mitgliedsstaaten wie Deutschland und auch die EU insgesamt neue Instrumente entwickeln, mit denen sich Reziprozität stärker einfordern lässt. China könnte nun kompromissbereiter werden – auch, weil zwischen EU und USA unter Joe Biden ein neuer Schulterschluss wahrscheinlich ist.

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