Wo Europa zusammenwächst

„Europäische Universitäten“: Die EU fördert eine neue Qualität von Hochschulallianzen. Fünf Netzwerke im Porträt.

Universität Köln: Teil einer neuen „Europäischen Universität“.
Universität Köln: Teil einer neuen „Europäischen Universität“. dpa

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron machte den Anfang: 2017 skizzierte er in seiner viel beachteten Europa-Rede an der Sorbonne die „Einrichtung europäischer Universitäten, die ein Netzwerk von Universitäten aus mehreren Ländern Europas bilden und die einen Studienverlauf schaffen, in dem jeder Studierende im Ausland studiert und Seminare in mindestens zwei Sprachen belegt“. Die Europäische Union (EU) hat die Vision aufgegriffen: In zwei Pilotausschreibungen wurden 2019 und 2020 insgesamt 41 Allianzen für eine EU-Förderung ausgewählt, an ihnen sind 279 Hochschulen beteiligt, 35 deutsche sind darunter. Hier stellen wir fünf „Europäische Universitäten“ mit deutscher Beteiligung vor, deren Förderung nun auch Teil der neuen Erasmus+ Programmgeneration (2021–2027) ist. Schon die fünf Beispiele zeigen erstaunliche internationale und fachliche Vielfalt, von Schwerpunkten zur Digitalisierung bis zu Zielen wie stärkerer studentischer Beteiligung und nachhaltigem Umgang mit Ressourcen.

 

European Digital UniverCity (EDUC)

Digital vernetzt: Studentinnen an der Universität Potsdam.
Digital vernetzt: Studentinnen an der Universität Potsdam. Universität Potsdam

Schon vor der Corona-Pandemie setzte die European Digital UniverCity (EDUC) auf virtuelle Vernetzung. Das von der Universität Potsdam koordinierte Netzwerk mit Partnerhochschulen in Frankreich, Italien, Tschechien und Ungarn entwickelt Blended-Learning-Formate, bei denen digitale und klassische Lehre kombiniert werden. Dozentinnen und Dozenten werden dabei unterstützt, virtuelle Lehr- und Lernszenarien zu erstellen. Allein im akademischen Jahr 2021/22 können Masterstudierende zwischen zwölf hochschulübergreifenden Online-Lehrveranstaltungen wählen.

 

Young Universities for the Future of Europe (YUFE)

Die Studierenden sollen Europas Zukunft wesentlich mitgestalten. Dieses Ziel der neuen „Europäischen Universitäten“ wird vom Netzwerk Young Universities for the Future of Europe (YUFE) besonders in den Blick genommen. Die Studierenden sind in allen YUFE-Ausschüssen vertreten und werden zentral in alle Entwicklungen und Entscheidungen einbezogen. Auf dieser Grundlage entwirft YUFE auch Karrierewege und Partnerschaftsprojekte mit Akteuren außerhalb der Hochschulen. Von deutscher Seite ist die 1971 gegründete Universität Bremen mit dabei. Das Netzwerk der zehn Hochschulen reicht von Finnland bis Zypern, von Großbritannien bis Polen.

 

European University of Post-Industrial Cities (UNIC)

Bochum: Universität im Grünen, in einer einstigen Bergbau-Stadt.
Bochum: Universität im Grünen, in einer einstigen Bergbau-Stadt. dpa

Nicht nur Hochschulen wandeln sich: In der postindustriellen Gesellschaft stehen gerade Städte und Regionen vor besonderen Herausforderungen, die lange eng mit Industriezweigen verbunden waren, zum Beispiel die deutsche Metropole Bochum mit dem Kohlebergbau. Die Ruhr-Universität Bochum bildet mit sieben Partneruniversitäten, etwa in den stark von der Schifffahrtsindustrie geprägten Städten Cork, Irland, und Rotterdam, Niederlande, das neue Netzwerk European University of Post-Industrial Cities. Die Transformation der Städte soll durch die Studierenden im europäischen Austausch weiter vorangetrieben werden. So sollen zum Beispiel nicht weniger als 48 „Pop-Up City Labs“ entstehen, in denen Studierende, Lehrkräfte und weitere gesellschaftliche Akteure mit den Bürgerinnen und Bürgern an aktuellen Herausforderungen arbeiten.

 

European University on Responsible Consumption and Production (EURECA-PRO)

Rohstoffe im Blick: Lehr-Bergwerk der TU Bergakademie Freiberg.
Rohstoffe im Blick: Lehr-Bergwerk der TU Bergakademie Freiberg. dpa

Wie gehen wir nachhaltig mit unseren Ressourcen um? An der 1765 gegründeten TU Bergakademie Freiberg in Sachsen hat diese Frage eine große Tradition. Sie wird auch im europäischen Maßstab gepflegt: An der TU steht die Einführung des Studiengangs „European Studies in Responsible Consumption and Production“ bevor. Die TU Bergakademie Freiberg ist wie die Hochschule Mittweida deutscher Partner im Netzwerk EURECA-PRO. Gemeinsam mit Universitäten in Griechenland, Österreich, Polen, Rumänien und Spanien wollen sie unter anderem technischen, ökologischen und sozialen Fragen nachgehen und so Nachhaltigkeit im 21. Jahrhundert stärken.

 

European University for Well-Being (EUniWell)

Was für die kommenden europäischen Generationen wichtig sein kann, zeigt beispielhaft die von der Universität zu Köln koordinierte European University for Well-Being (EUniWell), an der auch die Partneruniversitäten Birmingham (Großbritannien), Florenz (Italien), Leiden (Niederlande), Linnaeus (Schweden), Nantes (Frankreich) und Semmelweis (Ungarn) beteiligt sind. Die Allianz möchte ein Umfeld fördern, in dem Europäerinnen und Europäer wie auch ihre globalen Nachbarinnen und Nachbarn bestens ausgebildet, sozial engagiert, gesund, inklusiv und in Vielfalt leben können – alles entscheidende Aspekte von „Well-Being“. Das Wissen der Studierenden soll zum gesellschaftlichen Wandel beitragen – ein verbindendes Ziel aller „Europäischen Universitäten“.

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