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Menschen stehen und sitzen vor einem kleinen Haus.
Bücher verkaufen mit Meerblick: Das Cozy Game „Tiny Bookshop“ spielt in einer idyllischen Küstenstadt. © neoludic games

Spiel mit der Gemütlichkeit

Während viele Games auf Tempo und Wettbewerb setzen, feiert „Tiny Bookshop“ das Gegenteil. Was der Erfolg von Cozy Games über unsere Zeit erzählt. 

19.08.2026Luca Rehse-KnaufLuca Rehse-Knauf

Spiele ohne Zeitdruck, ohne Gewalt und ohne die Angst, zu verlieren: Sogenannte Cozy Games setzen auf Entspannung statt Wettbewerb. Die Spielenden richten Häuser ein, pflegen Gärten, schließen Freundschaften oder betreiben einen kleinen Buchladen. Es scheint, in einer beschleunigten und zunehmend digitalen Welt wächst die Sehnsucht nach virtueller Gemütlichkeit.

Ein Beispiel kommt aus Köln. Im Spiel „Tiny Bookshop“ des Independent-Studios Neoludic Games betreiben die Spielenden einen kleinen Buchladen in einer malerischen Küstenstadt. Sie empfehlen Bücher, sammeln Briefmarken und Polaroid-Fotos oder machen Yogaübungen. Leistungsdruck spielt kaum eine Rolle.

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Vom Buchladen zum Computerspiel

„Tiny Bookshop“ gehört zu den sogenannten Cozy Games. Statt Wettbewerb, Tempo und Herausforderungen stehen das Gestalten virtueller Welten, Beziehungen und alltägliche Tätigkeiten im Mittelpunkt. Zu den bekanntesten Cozy Games zählt Nintendos „Animal Crossing“-Reihe: Die Spielenden dekorieren ihr Zuhause, pflanzen Blumen und freunden sich mit tierischen Nachbarn an. Allein „Animal Crossing: New Horizons“ hat sich laut Nintendo mehr als 50 Millionen Mal verkauft.

Die Idee zu „Tiny Bookshop“ entstand 2019 in Neuseeland. Dort beobachtete David Zapfe-Wildemann einen Antiquar, der Bücher aus einem Bauwagen verkaufte. „Er saß davor, unter einem Sonnenschirm, hat selbst gelesen. Kunden kamen raus, gaben ihm Geld für ein Buch, er nahm das Geld und las weiter“, sagte der Spieleentwickler der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Statt selbst einen Buchladen zu eröffnen, entwickelte Zapfe-Wildemann mit seinem Studienkollegen Raven Rusch „Tiny Bookshop“, zunächst als Studienprojekt am Cologne Game Lab der TH Köln. 2021 gründeten beide das Kölner Studio Neoludic Games.

Eine Welt ohne Gewalt und Leistungsdruck, dafür mit Büchern, Nachbarschaft und Zeit für kleine Dinge: Cozy Games entwerfen einen digitalen Gegenraum zum schnellen Alltag. Vielleicht liegt darin ihr Reiz: Spiele müssen nicht immer schnell, laut und schwierig sein. Manchmal reicht ein kleiner Buchladen am Meer.