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„Games transportieren Werte und Narrative“

Der Gaming-Experte Manouchehr Shamsrizi von der Humboldt-Universität Berlin zur Rolle digitaler Spiele in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. 

Klaus LüberKlaus Lüber, 17.08.2023
Interaktiv und lehrreich: Videospielen
Interaktiv und lehrreich: Videospielen © AdobeStock / Mandic

Herr Shamsrizi, digitale Spiele gelten schon lange als Innovationstreiber für technische Entwicklungen. Sie sagen, Games können sogar in der Außenpolitik eine wichtige Rolle spielen. Inwiefern?
Man muss sich klarmachen, dass Games das meistgenutzte und reichweitenstärkste Medium unserer Zeit sind. Aktuelle Zahlen sprechen, legt man ein breites Verständnis zugrunde, von rund drei Milliarden Gamern weltweit. Und aus der Forschung wissen wir, dass digitale Spiele sehr gut darin sind, politische Narrative zu vermitteln. Wenn ich beispielsweise ein Wirtschaftssimulationsspiel spiele, dann bildet sich in den dort definierten Konsequenzen meines Handelns ja auch eine bestimmte Vorstellung von der Funktionsweise sozialer Systeme ab. Außerdem sind Spiele sogenannte „Empathie-Maschinen“. 

Manouchehr Shamsrizi
Manouchehr Shamsrizi © Körber-Stiftung

Was heißt das?
Games sind interaktiv und deshalb noch viel besser als klassisch lineare Medien wie Filme oder Bücher dazu geeignet, Empathie bei denjenigen zu erzeugen, die sie spielen. Darüber hinaus erlauben sie neue soziale, räumliche und zeitliche Interaktionsformen. Games transportieren also Werte und Narrative und das auf eine interaktive und integrative Weise, die bei den Menschen sehr stark verfängt. Wer ernsthaft Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik betreibt, kommt daher am Medium Games nicht mehr vorbei. 

Haben Sie ein Beispiel für uns?
Gerne. 2022 eröffnete die Londoner Serpentine Gallery eine virtuelle Präsenz im Videospiel Fortnite und zeigte dort eine Ausstellung des Künstlers KAWS. Das Wirtschaftsmagazin The Economist sprach von der „größten Kunstausstellung der Welt“. Die Spielerinnen und Spieler konnten dabei exakt die gleichen Werke sehen wie die Besucherinnen und Besucher der Galerie vor Ort. Das ist doch ein globaler und inklusiver Zugang zu Kultur, wie man sich ihn nur wünschen kann, und den eben so nur das Medium Game ermöglicht.

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Wenn Sie sagen, digitale Spiele transportieren politische Narrative: Wie anfällig sind sie für Desinformation?
Das ist leider ein ernst zu nehmendes Problem. Auch deshalb ist es wichtig für die Außenpolitik, sich mit Games zu beschäftigen. Im letzten Jahr kursierten angebliche Gefechtsszenen und Livestreams aus dem Ukraine-Krieg auf YouTube und TikTok, die in Wahrheit aus einem Videospiel stammten. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Videospiele können Arenen für Desinformation und demokratiezersetzende Narrative sein. Wir brauchen dringend ein genaues Monitoring der Entwicklung. Und ein besseres Verständnis der transformativen und interkulturellen Kraft von Games.
 

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Manouchehr Shamsrizi befasst sich mit den Auswirkungen von Gaming auf die Gesellschaft. Er ist unter anderem Mitbegründer des gamelab.berlin am Exzellenzcluster der Humboldt-Universität sowie Fellow des Salzburg Global Seminar und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Seit 2018 berät er das Auswärtige Amt zu Gaming in der strategischen Kommunikation. Er ist Autor der Studie „Metaverse und Gaming: Potenziale für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“ des  Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa). 

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