Buchmesse Liveticker

Migration, Urbanität und die Philosophie des Zusammenlebens: Auf der Frankfurter Buchmesse wird viel diskutiert und noch mehr entdeckt – Stimmen und Eindrücke.

Sarah Kanning - Frankfurt Book Fair

Mobilität aus Wachs

Wie bewegen sich Menschen im urbanen Alltag? Das visualisiert das „Moovel Lab“ mit einem 3D-Wachsdrucker in Halle 4.1, „The Arts+“. Flüssiges Wachs fällt tropfenweise auf eine zwei mal zwei Meter große Papierleinwand und veranschaulicht damit Routen-Suchanfragen aus der „moovel App“, einer Anwendung, die Öffentlichen Personennahverkehr, Carsharing-Anbieter, Taxis, Mietfahrräder und die Deutsche Bahn vereint. Das Ergebnis ist eine faszinierende künstlerische Version einer etwas anderen Straßenkarte der Hauptstadt Berlin.

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Migration und Normalität

Sind die Flucht- und Migrationsbewegungen nach Europa tatsächlich so außerordentlich, wie sie aktuell erscheinen? Darüber diskutieren Beate Grzeski, Leiterin des Koordinierungsstabs Flucht und Migration im Auswärtigen Amt, der Migrationsforscher Jochen Oltmer und der österreichisch-schwedische Journalist Carl Henrik Fredriksson im Weltempfang, dem Forum für Politik, Literatur und Übersetzung, mit dem sich das Auswärtige Amt seit 2007 an der Frankfurter Buchmesse beteiligt. „Migration hat es immer gegeben“, sagt Jochen Oltmer. „Menschen gehen weg, wenn sie glauben, dass sie woanders bessere Chancen haben, oder wenn sie von Gewalt oder drohender Gewalt zu einer Flucht genötigt werden.“ Der Großteil der Menschen hat laut Oltmer allerdings gar nicht die Mittel, sich wegzubewegen, „dazu braucht es Geld, eine Vision und Netzwerke“. Die Lebensbedingungen in den Fluchtländern zu verbessern und Migration besser zu steuern, sind wichtige Anliegen der deutschen Außenpolitik, betont Beate Grzeski. „Entwicklungszusammenarbeit kann das nicht alleine leisten, aber sie ist ein Beitrag im Mosaik der Maßnahmen.“ Mit Diplomatie in den Herkunftsländern und erleichterter Migration für Studierende und Fachkräfte will das Auswärtige Amt illegale Migration eindämmen. „Es ist nicht in unserem Interesse, Migration zu verhindern, Europa braucht Zuwanderung. Aber wir wollen Illegalität durch Legalität ersetzen.“ Ein großes Ziel der deutschen Präsidentschaft der G20-Gruppe, die die Bundesrepublik im Dezember 2016 übernimmt, sei der afrikanische Kontinent. „Unserer Auffassung nach ist Afrika kein Katastrophenkontinent, sondern ein Kontinent der Chancen“, sagt Grzeski. Würden die Lebensumstände dort verbessert, „sehen Menschen dort Zukunftsoptionen“.

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Kurzgeschichten aus dem Libanon

Ihre Kurzgeschichten „Das Kleid“ und „Die Hauptstadt“ stellen die libanesischen Nachwuchsautoren Rola el Hussein und Ayham Hazoun im Weltempfang vor. Sie haben im Projekt „Beirut Short Stories“ entwickelt, einer Kooperation von KfW Stiftung, Goethe-Institut und Litprom. Der Schriftsteller, Journalist und Übersetzer Hussain Al-Mozany hat die Workshops geleitet und „als Lichtblick“ begriffen, wie er sagt. Er habe die Teilnehmer dazu ermutigt, „in ihren Texten kleine Steine zu verstecken, um den Leser wachsam zu halten“. Denn Schreiben, so Al-Mozany, „ist elementar“.

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Lesungen und Tee

Wunderschöne Atmosphäre im Lesezelt auf der Buchmessen-Freifläche „Agora“: Besucher machen es sich in abgetrennten Nischen mit einer Tasse Tee gemütlich und hören den Lesungen zu. Und was sagt die niederländische Autorin Connie Palmen, als sie bei der Vorstellung ihres Buchs „Du sagst es“ nur ein schon benutztes Glas auf dem Tisch vorfindet? „Macht nichts, ich trinke trotzdem daraus. Und sollte mir was passieren, wissen wir alle, dass das ein hinterlistiger Mordversuch war.“ Schließlich geht es auch in Palmens neuem Roman um den Tod: Die amerikanische Dichterin Sylvia Plath tötete sich 1963 selbst – Palmen schreibt aus der Perspektive von Plaths Ehemann, dem Dichter Ted Hughes, der mit dem Gefühl der Schuld zurückblieb.

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Süße Kunst

Lust auf Schokolade? Die belgischen Chocolatiers von Choco-Story zeigen in einer Schokobar auf der Agora live ihr Können. Sie schmelzen Schokolade, gießen sie in Förmchen, halbe Walnuss oben drauf – und dann dürfen Buchmessegäste probieren. Beeindruckend ist dabei die Schokoladenkunst der Gastro-Schule „Ter Groene Poorte“ in Brügge: Sie haben Gemälde der Flämischen Meister quasi schokolisiert.

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Gefragte Autorin

Vielgefragt ist die diesjährige Trägerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, Carolin Emcke. Ob auf dem Blauen Sofa, auf der ARD-Bühne, am Stand der „Süddeutschen Zeitung“ oder der Wochenzeitung „Die Zeit“. Doch auch wenn der Zuhörerandrang groß ist – eine Antwort lässt sich Emcke nicht entlocken: Den Inhalt ihrer Friedenspreisrede am 23. Oktober 2016.

www.buchmesse.de/weltempfang

Weitere Links zum Thema:

www.deutschland.de/de/topic/politik/deutschland-europa/fluchtursachen-wirkungsvoll-bekaempfen

www.deutschland.de/de/topic/politik/entwicklung-dialog/fluechtlingen-einen-neustart-ermoeglichen

www.deutschland.de/de/topic/politik/frieden-sicherheit/fluechtlingen-einen-neustart-ermoeglichen

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