Demokratie lernen

Das Programm „Dialog macht Schule“ vermittelt Kindern und Jugendlichen, wie sie Konflikte lösen und die Gesellschaft mitgestalten können.

„Dialog macht Schule“: Schüler diskutieren über Werte
„Dialog macht Schule“: Schüler diskutieren über Werte Getty Images/skynesher

„Dialog macht Schule“ unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, demokratisches Denken und Handeln zu entwickeln. Das von der Bundesregierung geförderte Programm gibt es in fünf Städten. Ein Gespräch mit Co-Gründer und Geschäftsführer Hassan Asfour.

Hassan Asfour Mitgründer des Programms „Dialog macht Schule“
Hassan Asfour Mitgründer des Programms „Dialog macht Schule“ dpa

Herr Asfour, was sind die Ziele von „Dialog macht Schule“?

Bei diesem Demokratiebildungsprogramm geht es darum, mit Kindern und Jugendlichen in Schulen, die in sozial-räumlich schwieriger Lage sind, über einen Zeitraum von zwei Jahren in sogenannten Dialoggruppen zu arbeiten. Über ihre Themen aus ihrer Lebenswelt wollen wir sie an Gesellschaft und Politik heranführen. Ziel ist, dass sie lernen, sich eine eigene Meinung und ein kritisches Urteil zu bilden, um später als mündige Bürger die Gesellschaft mitgestalten zu können.

Wie gehen die Dialogmoderatoren dabei vor?

Studenten werden von uns zu Dialogmoderatoren qualifiziert. Sie bauen Vertrauen zu den Kids auf und knüpfen an Themen an, die diese interessieren. Unterhalten sich Schüler zum Beispiel über einen Film, einen Schauspieler oder eine Schauspielerin, kann sich daraus ein Gespräch über Geschlechterrollen und Gerechtigkeit entwickeln: Was geschieht, wenn man jemanden heiratet, der eine andere Religion hat und wie zieht man die Kinder auf? Und dann ist das Ganze auf einmal hochpolitisch. Die Dialogmoderatoren bereiten das Thema dann mit den Schülern auf.

Warum ist Ihr Programm für die Gesellschaft so wichtig?

Wir haben eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, sich aber nicht als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft fühlen. Oft entzünden sich Konflikte an Werten. Um ein Gefühl der Zugehörigkeit zu fördern, arbeiten wir langfristig mit ihnen. Das gibt uns genug Zeit, um eine Vertrauensebene zu schaffen und auch in sensible Themen tief einzusteigen. Unsere Botschaft ist: Wir verschaffen dir Raum und Gehör.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Eine Klasse hat sich mit Diskriminierung und Rassismus auseinandergesetzt, Plakate gebastelt und eine eigene Demonstration angemeldet. Die Polizei hat für diese kleine Demo die Straße gesperrt, Anwohner haben den Schülern aus den Fenstern zugewinkt. Dass jemand sich für ihre Gedanken und Sorgen interessiert, erleben sie nicht so oft. Es ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Kids mal positiv auffallen, weil sie was Tolles auf die Beine gestellt haben. Das ist das größte Erfolgserlebnis und eine schöne Erfahrung von Selbstwirksamkeit – und da möchten wir sie hinführen.

Interview: Christina Rath

© www.deutschland.de

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