Impfpflicht – ja oder nein?

Mit der Corona-Pandemie ist in Deutschland auch die Debatte über eine Impfpflicht wieder aufgelebt. Wir geben einen Überblick.

Viele Impfungen werden mit einer Spritze vorgenommen.
Viele Impfungen werden mit einer Spritze vorgenommen. picture alliance / Geisler-Fotopress

Gibt es eine Impfpflicht in Deutschland?

Die erste Impfpflicht wurde in Deutschland 1874 eingeführt. Damals, im Deutschen Reich, mussten alle Kinder zwischen eins und zwölf gegen Pocken geimpft werden. Sie wurde 1976 aufgehoben, weil die Pocken dank weltweiter Schutzimpfungen als ausgerottet gelten. Zwar gab es in der DDR zweitweise die Pflicht, Kinder gegen Tuberkulose, Kinderlähmung, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Masern zu impfen, im vereinten Deutschland gilt aber erst seit dem 1. März 2020 wieder eine allgemeine Impfpflicht gegen Masern.

Warum eine Impfpflicht bei Masern?

Masern ist eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Jeder und jede Erkrankte infizieren im Schnitt zwölf bis 18 andere Menschen. Corona-Infizierte stecken im Schnitt zwei bis drei andere an. Masern können alle Altersgruppen bekommen. Die teils schwerwiegenden Folgen treten oft erst Jahre später auf. Eine wirksame Behandlung der Krankheit ist nicht bekannt. Vor der Aufnahme in eine Kindertagesstätte, einen Kindergarten oder eine Schule müssen Kinder die Masernimpfung nachweisen. Da in Deutschland Schulpflicht herrscht, kommt diese Regel einer allgemeinen Impfpflicht gleich. Auch Personen, die in einer Einrichtung für Kinder oder in medizinischen Einrichtungen tätig sind, müssen geimpft sein oder werden.

Ein deutscher Impfpass, wie ihn alle Bürgerinnen und Bürger besitzen sollten.
Ein deutscher Impfpass, wie ihn alle Bürgerinnen und Bürger besitzen sollten. picture alliance / zb

Wie sieht es bei Corona aus?

Zunächst: Es gibt noch keinen Impfstoff. Dennoch wird die Frage in Deutschland diskutiert. Weltärztepräsident Ulrich Montgomery tritt für ein Impfpflicht ein. Er sagt, dass Menschen, die sich nicht gegen Corona impfen lassen, eine Gefahr für jene sind, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden dürfen. Es müsse aber in kurzer Zeit ein hoher Grad von Immunisierung erreicht werden.

Die Bundesregierung ist gegen eine Corona-Impfpflicht. Sie argumentiert mit den Freiheitsrechten der Bürger. Kanzleramtsminister Helge Braun sagt, wer die Impfung nicht wolle, „muss das Risiko einer Infektion selbst tragen“. Die Argumentation baut auch auf die hohe Impfquote bei den freiwilligen Impfungen. Sie liegt bei Schulanfängern bei fast allen der 14 vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Impfungen deutlich über 90 Prozent. 95 Prozent bedeuten laut Weltgesundheitsorganisation WHO die „Durchimpfung“ einer Bevölkerung und führen faktisch zum Verschwinden der Krankheit.

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