Prominenter Einsatz für Europa

Wie deutsche Künstler und Wissenschaftler sich für die europäische Idee einsetzen.

Jan Böhmermanns Vision: „Vereinigte Staaten von Europa“
Jan Böhmermanns Vision: „Vereinigte Staaten von Europa“ dpa

Akilnathan Logeswaran: „Stand Up For Europe“

Als vor zwei Jahren in vielen europäischen Städten die Menschen für ein freies Europa und gegen die Nationalisten auf die Straße gingen, stellte sich Akilnathan Logeswaran sonntags vor das Münchner Opernhaus. Dort diskutierte er mit Passanten. Menschen bewegen, das ist sein Anliegen. Er hat die Münchner Gruppe der Bürgerbewegung „Stand Up For Europe“ mitgegründet, ist Mitglied im „Think Tank 30“ des Club of Rome und engagiert sich im Jugendbeirat des Weltwirtschaftsforums.

Das US-amerikanische Wirtschafts-Magazin „Forbes“ wurde auf sein Engagement aufmerksam. Jährlich kürt das Blatt die „30 unter 30“, das sind junge Menschen, die für eine Sache eintreten und Vorbilder sind. Anfang 2018 zeichnete „Forbes“ Logeswaran in der Kategorie „Recht und Politik“ aus. Er wehrt sich gegen das Vorurteil, junge Leute interessierten sich nicht für Politik. „Das stimmt nicht.“

Der Münchner hat die deutsche Delegation für den European-Youth-Event im Straßburger EU-Parlament geleitet. Dort kamen 10.000 Teilnehmer zusammen. Als Sonderbotschafter engagiert er sich außerdem für die Kampagne #FreeInterrail, die jedem Europäer zu seinem 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket schenken will. „So eine Reise weitet den Horizont“, ist Logeswaran überzeugt. Der Wirtschaftswissenschaftler selbst ist von Geburt an ein Reisender zwischen den Welten: Geboren wurde er 1988 in München, der Heimatstadt seiner Mutter. Sein Vater stammt aus Sri Lanka.

Akilnathan Logeswaran, Mitgründer der Bewegung „Stand Up For Europe“
Akilnathan Logeswaran, Mitgründer der Bewegung „Stand Up For Europe“ dpa

Mia Florentine Weiss: Liebe statt Hass

Mit dem Blick über den eigenen Tellerrand hinaus ist auch die Konzeptkünstlerin Mia Florentine Weiss aufgewachsen. Sie kam 1980 in Würzburg zur Welt und lebte mit ihrer Familie in Deutschland und in Russlands Hauptstadt Moskau. Nach dem Abitur ging sie ein Jahr auf Weltreise, studierte später in den USA und beschäftigte sich unter anderem künstlerisch mit dem Stamm der Himba in Namibia. Sie ist eine Weltenbummlerin, die sich mit ihrer Kunst für die europäische Idee einsetzt.

Mehr als ein Jahr stand ein Aufsehen erregendes Kunstobjekt von ihr beim Siegestor in München. Eine fünf Meter lange Metallskulptur, als Ambigramm konzipiert. Auf der einen Seite ist das Wort „Love“ zu lesen, auf der anderen „Hate“. Weiss‘ Botschaft: „Make Love not Hate.“ Mit diesem Gedanken setzt sie sich seit Jahren mit Heimatlosigkeit und Menschenwürde auseinander. Im Rahmen ihres Pegasus-Projekts bereist die Künstlerin die Flüchtlingsrouten am Rande Europas. Sie nimmt Kontakt zu Schutzsuchenden auf und dokumentiert ihr Schicksal.

„Wir brauchen Geschlossenheit, Grundgesetz und grenzenlose Freiheit – das, was man Demokratie nennt“, sagte sie in einem Interview in der „Süddeutschen Zeitung“. „Denn nur wenn wir gemeinsam handeln, kann Europa das größte Friedensprojekt der Welt bleiben.“

„Love/Hate“-Skulptur von Mia Florentine Weiss
„Love/Hate“-Skulptur von Mia Florentine Weiss dpa

Wolfgang Tillmans: Populismus abwählen

Der Gedanke, Großbritannien könne die EU verlassen, hat den Fotografen Wolfgang Tillmans 2016 zu einer Plakatkampagne mobilisiert. Mit Slogans wie „What is lost is lost forever“ (Was verloren geht, ist für immer verloren) unterstützte er die Brexit-Gegner. Er kritisiert vehement die zunehmende antieuropäische Stimmung und wird nicht müde, Menschen für die Möglichkeiten der Demokratie zu sensibilisieren. Mit Projekten und in Interviews fordert er auf, wählen zu gehen und gegen rechte Gesinnung aufzustehen. „Demokratische Ordnungen können sich auf Druck ihrer Bürger verändern“, sagte Tillmans in einem Interview mit „Zeit Online“. Diktaturen oder andere autoritäre Systeme ließen das nicht mehr zu.

Tillmans, Jahrgang 1968, wuchs in Nordrhein-Westfalen auf. Er lebt seit vielen Jahren in Berlin und London und ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Künstler. Er wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Als erster deutscher Künstler erhielt er im Jahr 2000 den englischen Turner-Preis. Zusammen mit den Architekten Rem Koolhaas und Stephan Petermann startete er 2018 die Initiative Eurolab, die nationenübergreifend über ein neues „Branding“ der Europäischen Union nachdenkt. Vielleicht könnte das für eine massive Gegenbewegung motivieren, wie sie sich Tillmans erträumt: Eine Bewegung, die sich gegen die rechten Populisten erhebt und sie wie ein „kleines Licht“ verblassen lässt.

Fotograf Wolfgang Tillmans
Fotograf Wolfgang Tillmans dpa

Jan Böhmermann: Vereinigte Staaten von Europa

Als Satiriker darf Jan Böhmermann (38) gedanklich noch weitergehen. Er propagiert, analog zu den USA, die „Vereinigten Staaten von Europa“. In einem Musikvideo singt der sonst bärtige Moderator der ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“ als glattrasierter Glam-Rocker mit Lockenperücke für ein „offenes Europa“.

Der Gedanke ist nicht neu. Schon George Washington hat ihn im 18. Jahrhundert in einem Brief an den französischen Marquis de La Fayette geäußert. Aber so wie ihn Böhmermann wieder ins Gespräch bringt, könnte er sich jetzt in den Köpfen verankern. Eindringlich und mit Witz, wirbt er in seiner Sendung mit dem Titel „Was los Europa?“ für einen „neuen europäischen Spirit“: Vorwärtsgang einlegen, Fernlicht einschalten und Vollgas nach vorne. Der Vorschlag für eine Europa-Hymne ist gemacht.

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