Salaam und Schalom

Können Religionen konfliktfrei miteinander leben? Wir sprachen in Berlin mit dem Juden Armin und seinem muslimischen Freund und Mitstreiter Zakariya.

Armin und Zakariya sind seit 2014 befreundet.
Armin und Zakariya sind seit 2014 befreundet. Hatice Kahraman

Sie treten für eine pluralistische Gesellschaft ein: Die Berliner Armin Langer und Ozan Zakariya Keskinkilic. Gemeinsam engagieren sie sich in der Berliner Salaam-Schalom-Initiative, die sich seit 2013 für ein friedliches Zusammenleben der Religionen einsetzt.

Armin, du hast die Salaam-Schalom-Initiative als Statement gegen angebliche No-Go-Areas für Juden in Berlin gegründet – und schnell viele Unterstützer gefunden, auch Muslime.

Armin: Die Diskussion in Berlin um sogenannte No-Go-Areas, in denen Juden angefeindet werden, sieht bestimmte Gruppen (gemeint sind Muslime, Anm. der Redaktion) automatisch als die alleinigen Träger von Antisemitismus. Wir sollten darauf achten, dass wir keine Gruppe unter Generalverdacht stellen.

Zakariya: Sowohl der Antisemitismus als auch der antimuslimische Rassismus müssen gesamtgesellschaftlich bekämpft werden. Sie beschränken sich auch nicht auf bestimmte Orte, sondern sind in einen größeren Zusammenhang eingebettet. Statt Juden und Muslime gegeneinander auszuspielen, brauchen wir eine neue Form der Solidarität, nicht nur mit, sondern auch unter marginalisierten Gruppen.

Woher kommt das Bild eines Konfliktes zwischen Juden und Muslimen in Deutschland?

Armin: Der Grundkonflikt zwischen konservativen Juden und Muslimen basiert nicht auf der Religion, sondern auf dem Nahost-Konflikt. Ich glaube, es ist wichtig klarzumachen, dass wir als Minderheiten in Deutschland zusammenhalten müssen. Was wir tun können, ist einander zuzuhören.

Wie kann jeder Einzelne etwas zum Frieden zwischen den Religionen beitragen?

Armin: Der einzige Weg zu einer gerechten Gesellschaft sind gesellschaftliche Teilhabe und soziales  Engagement. Wenn die Gesellschaft nach rechts rückt, müssen wir uns verbünden und unsere Stimme gegen diese Entwicklung erheben.

Und umgekehrt, wie können Religionen etwas zum Frieden zwischen den Menschen beitragen?

Zakariya: „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet“, ist ein Satz aus dem jüdischen Talmud. Er findet sich fast wortgenau im Koran wieder. Das ist natürlich kein Zufall. Der Islam dockt an viele jüdische Glaubensvorstellungen und Prinzipien an und sieht im Judentum, übrigens auch im Christentum, eine Geschwisterreligion. Wer will, kann nach Feindschaft zwischen den Religionen suchen, sie finden und schüren. Hass ist kein Talent. Wer aber bereit ist, einmal über den Tellerrand zu blicken, wird Gemeinsamkeiten und Allianzen finden. Die eigentliche Frage ist also, was will der Mensch?

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