Grüne Energie aus Nordafrika

Bei der Energiewende setzt Deutschland auf Kooperationen mit arabischen Ländern. Auch als alternative Partner zu Russland.

Energiewende in Marokko: Solarkraft hat zentrale Rolle.
Energiewende in Marokko: Solarkraft hat zentrale Rolle. picture alliance/dpa

Gemeinsam die globale Energiewende voranbringen und den Wettbewerb um Ressourcen entschärfen: Das sind die Ziele der Energiepartnerschaften, welche die deutsche Regierung inzwischen mit mehr als 20 Ländern unterhält. Ein wichtiger Fokus liegt dabei auf der Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien, etwa durch Investitionsanreize für deutsche Unternehmen. Auch die Unterstützung wirtschaftlicher Entwicklung und Beschäftigung in den Partnerländern ist Bestandteil der Zusammenarbeit.
Teil 2 unseres Überblicks

Marokko

Marokko gehört zu den Vorreitern im Bereich erneuerbarer Energien – und das nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent. Im Klimaschutz-Index 2022 belegt das Land Platz acht – dicht hinter Ländern wie Schweden und Norwegen. Schon heute deckt Marokko 20 Prozent seines Energiebedarfs mit grünem Strom aus Wasserkraft, Wind und Sonne. Erklärtes Ziel ist es, den Anteil bis 2030 auf 52, im besten Fall auf 86 Prozent zu erhöhen. Eine Energiepartnerschaft mit Deutschland besteht seit 2012 und wurde kürzlich im Rahmen der 2021 verabschiedeten Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung noch einmal vertieft.

Auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde eine „Allianz zur Entwicklung des Power-to-X-Sektors“ vereinbart, zu dem auch die Umwandlung grünen Stroms in den Energieträger Wasserstoff gehört. Dazu herrschen in dem nordafrikanischen Land ideale Bedingungen. In der Provinz Ouarzazate im Süden Marokkos wurde mit deutscher Unterstützung eines der größten Solarkraftwerke der Welt errichtet, das 1,3 Millionen Menschen versorgt. Die Sonneneinstrahlung liegt bei rund 2.500 Kilowattstunden pro Quadratmeter – das ist einer der höchsten Werte weltweit. Marokkos erklärtes Ziel ist es, zu einem Weltmarktführer bei der Produktion grünen Wasserstoffs zu werden. Eine der Herausforderungen dabei ist die Bereitstellung des Rohstoffs Wasser, denn daran herrscht Mangel in Marokko. Es muss durch Meerwasserentsalzung gewonnen werden. Entsprechende Anlagen werden, auch mit Unterstützung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der deutschen Entwicklungsbank KfW, gerade im ganzen Land gebaut.

Algerien

Die seit 2015 bestehende deutsch-algerische Energiepartnerschaft zielt darauf ab, einen Beitrag zur globalen Energiewende zu leisten sowie die algerischen Bemühungen beim Ausbau erneuerbarer Energien zu unterstützen. Noch ist das der Fläche nach größte Land Afrikas stark abhängig von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Erdgas und petrochemischen Produkten. Etwa 95 Prozent der Exporte machen diese Rohstoffe aus und sorgen für 60 Prozent der Staatseinnahmen.

Auch mit deutscher Unterstützung will das Land mittelfristig den Wechsel hin zu erneuerbaren Energien schaffen. Das Potenzial ist groß, vor allem an Wind- und Solarenergie. Die durchschnittliche jährliche Sonneneinstrahlung liegt bei 2.650 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter, im Süden des Landes bei über 3.000 kWh pro Quadratmeter und damit rund dreimal so hoch wie in Deutschland. Hinzu kommt eine hervorragende logistische Infrastruktur entlang der Mittelmeerküste mit rund 15 Häfen, einem ausgedehnten Gaspipelinenetz und zahlreichen Raffinerien. Das nordafrikanische Land strebt an, bis 2035 eine Solarenergiekapazität von 15.000 MW zu erreichen. Im September 2021 vereinbarten Deutschland und Algerien eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen Privatsektor- und Finanzsektorförderung und Erneuerbare Energien. Mitte Juli 2022 fand in Algier ein Workshop mit algerischen Ministerien, dem Fraunhofer-Institut und der KfW Entwicklungsbank statt – sondiert wurden Möglichkeiten der Erzeugung von grünem Wasserstoff.

Tunesien

2022 feierte die deutsch-tunesisches Energiepartnerschaft ihr zehnjähriges Bestehen. Ziel ist es, Tunesien bei energiepolitischen Maßnahmen zu unterstützen. Derzeit nutzt das Land noch fast ausschließlich fossile Energieträger, die es zum größten Teil aus dem Ausland importiert. Konkret bietet Deutschland Unterstützung bei den Themen Energieversorgungssicherheit, Nutzung von erneuerbaren Energien, Steigerung der Energieeffizienz, Reduktion des Energieverbrauchs, nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz. In diesem Rahmen wird auch der Bau von Photovoltaik-Anlagen und Windparks mitfinanziert. Zudem fördert Deutschland die Qualifizierung von Fachkräften, etwa von Photovoltaik-Installateuren, und begleitet Ansätze zur Erhöhung der Energieeffizienz in öffentlichen Einrichtungen.

Das nördlichste Land des afrikanischen Kontinents besitzt ein großes Potenzial sowohl für Solarenergie als auch für Windkraft. Bisher wurden Windparks mit einer Gesamtkapazität von 245 Megawatt gebaut. Man geht davon aus, diesen Wert bis 2030 auf 1,8 Gigawatt steigern zu können. Bis dahin soll die elektrische Energie in Tunesien bereits zu 30 Prozent regenerativ erzeugt werden. Im Dezember 2020 wurde zudem eine deutsch-tunesische Allianz zur Entwicklung des Power-to-X-Sektors unterzeichnet. Wie bei der Partnerschaft mit Tunesiens Nachbarland Marokko soll es dabei vor allem um die Produktion von grünem Wasserstoff gehen. Anfang März 2022 wurde unter der Beteiligung der staatlichen deutschen Förderbank KfW in Tozeur im Südwesten Tunesiens das zweite Photovoltaikkraftwerk des Landes eingeweiht. Mit 25 Millionen fördert das Institut zudem eine Pilotanlage zu Herstellung grünen Wasserstoffs, deren Bau für 2022/23 geplant ist.

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