„Wichtiges Signal für Handwerksbetriebe“

Ob Baustelle oder Bäckerei – im Handwerk fehlen Fachkräfte. Hilft das geplante Einwanderungsgesetz? Das sagt der Handwerkspräsident.

Im Bauhandwerk fehlen Fachkräfte.
Im Bauhandwerk fehlen Fachkräfte. dpa

Das Bundeskabinett hat den Entwurf für ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz verabschiedet. Darüber haben wir mit Hans Peter Wollseifer gesprochen. Er ist Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

Herr Wollseifer, wie viele Fachkräfte fehlen im deutschen Handwerk und in welchen Bereichen ist der Bedarf besonders groß?
Nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit gab es Ende 2017 im Handwerk 150.000 offene Stellen. Vermutlich liegt die Zahl jedoch deutlich höher, eher um die 250.000, denn nicht alle Betriebe melden ihre offenen Stellen beim Arbeitsamt. Betroffen sind insbesondere die Bauberufe, etwa im Hochbau und den Bereichen Sanitär, Heizung und Klima; außerdem Lebensmittelhandwerke wie Fleischer und Bäcker.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer
Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer Boris Trenkel

Welche Punkte des Gesetzentwurfs für Fachkräfteeinwanderung sind aus der Sicht des Handwerks begrüßenswert?
Die Zuwanderung beruflich qualifizierter Fachkräfte wird deutlich erleichtert – etwa durch den Wegfall der Vorrangprüfung (ob für eine offene Stelle ein geeigneter Bewerber aus Deutschland oder der EU zur Verfügung steht; Anmerkung der Redaktion) und den Verzicht auf die Beschränkung auf Engpassberufe.

Zudem werden die vom Handwerk vorgeschlagenen bilateralen Vermittlungsabsprachen eine wichtige Rolle spielen, um zielgenau ausländische Fachkräfte zu gewinnen. Um mit potentiellen ausländischen Arbeitnehmern persönlich Kontakt aufnehmen zu können, ist es wichtig, für Zuwanderer die Möglichkeiten zur Suche eines Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes zu erleichtern.

Sind die Anforderungen an ausländische Fachkräfte angemessen?
Die Gesetzentwürfe stellen eine Balance zwischen Erfordernissen des Arbeitsmarktes und berechtigten innen- und asylpolitischen Erwägungen her. Aus Sicht des Handwerks befürchten wir aber, dass für beruflich qualifizierte Zuwanderer sowohl der Nachweis ausreichender finanzieller Mittel für den Lebensunterhalt als auch die geforderten deutschen Sprachkenntnisse eine erhebliche Hürde darstellen.

Viele Handwerksbetriebe beschäftigen auch Flüchtlinge. Wo brauchen sie noch Unterstützung vom Gesetzgeber?
Die geplante Verbesserung der Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung ist ein wichtiges Signal für die zahlreichen Handwerksbetriebe, die sich bei der Integration geflüchteter Menschen engagieren. Das Handwerk erwartet jetzt mehr Rechtssicherheit und einen bundeseinheitlichen Vollzug. Darüber hinaus ist das Angebot – gerade auch fachspezifischer und gegebenenfalls berufsbegleitender – Deutschkurse entscheidend, damit Geflüchtete zügig eine Ausbildung oder Beschäftigung aufnehmen können.

Interview: Christina Rath

© www.deutschland.de

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