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Deutschland und Asien: Neue Allianzen, neue Chancen

Auf Wachstumskurs: Wie Japan, Vietnam und Indonesien ihre wirtschaftliche Partnerschaft mit Deutschland ausbauen.

Axel Novak, 27.04.2026
Blick auf Ho-Chi-Minh-Stadt bei Nacht.
Deutschland profitiert vom wachsenden Handel der EU mit Vietnam – hier: Ho-Chi-Minh-Stadt. © iStock | wichianduangsri

Die Welt ordnet sich neu – und mit ihr die Handelsbeziehungen. Deutschland und viele asiatische Staaten betrachten einander als vielversprechende Partner. Länder wie Japan, Vietnam und Indonesien bieten gute Wachstumsaussichten, Deutschland wird weiterhin für sein Knowhow geschätzt. Welche Chancen bringt die Nähe für beide Seiten mit sich?

Japan und Deutschland: Gemeinsame Werte und Visionen

Japan möchte unabhängiger werden – insbesondere bei der Rohstoffversorgung. Der Handel mit Europa spielt dabei eine große Rolle: Die exportorientierte Nation ist seit Langem einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Asien und umgekehrt. Derzeit sind rund 1.900 japanische Unternehmen in Deutschland aktiv, während etwa 730 deutsche Firmen in Japan präsent sind.

Die beiden Länder ergänzen sich sehr gut.
Shigeki Okamoto, Generaldirektor der Japan External Trade Organization in Berlin

DiDie guten Beziehungen fußen unter anderem auf ähnlichen Wirtschaftsstrukturen und Industrien, die schlüssig ineinandergreifen. „Die beiden Länder ergänzen sich sehr gut“, sagt Shigeki Okamoto, Generaldirektor der Japan External Trade Organization in Berlin. Die Verbindung gehe über den Handel hinaus und basiere auf gemeinsamen Werten sowie einer strategischen Vision für die Zukunft.

Der Austausch soll nun verstärkt werden. „Wir sehen großes Potenzial für einen intensiveren Handel – insbesondere in den Bereichen grüne und digitale Transformation sowie moderne Industrieproduktion“, so Okamoto. Das bestehende Handelsabkommen EPA/JEFTA biete dabei einen zuverlässigen Rahmen.

Deutschland und Vietnam: Chancen bei der Digitalisierung

Vietnam verfolgt ambitionierte Ziele: Bis 2045 will es den Status eines Hocheinkommenslandes erreichen und bis 2050 seine Wirtschaft vollständig dekarbonisieren. Dafür setzt die Regierung auf ein jährliches Wirtschaftswachstum von zehn Prozent, das durch erneuerbare Energien, eine effiziente Hightech-Industrie und den Ausbau der digitalen Infrastruktur erreicht werden soll. 

Hier kommen Unternehmen aus Deutschland ins Spiel. „Sie verfügen über wertvolle Expertise, etwa im Netzausbau, in der Industrie 4.0 oder bei der Digitalisierung“, erklärt Peter Kompalla, Chief Representative der Delegation der deutschen Wirtschaft in Vietnam (AHK Vietnam). 

Ein Mann im Anzug blickt in die Kamera. Auf dem Bild ist zu lesen „AHK Vietnam“.
Peter Kompalla, Chief Representative der Delegation der deutschen Wirtschaft in Vietnam (AHK Vietnam) © AHK Vietnam

Vietnam hat mittlerweile ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen geknüpft. Im Januar 2026 haben die Europäische Union (EU) und Vietnam vereinbart, ihre Beziehungen zu einer umfassenden strategischen Partnerschaft auszubauen und die Beziehungen in Bereichen wie Handel, Energie, Klima und Sicherheit zu stärken. Noch in Arbeit ist das Investitionsschutzabkommen EVIPA; Deutschland hat den Ratifizierungsprozess bereits abgeschlossen, aber einige andere EU-Mitgliedstaaten stehen noch aus. Das seit 2020 bestehende Freihandelsabkommen EVFTA hat die wirtschaftliche Entwicklung Vietnams deutlich beschleunigt. So stiegen die EU-Investitionen in Vietnam zwischen 2020 und 2024 um rund 35 Prozent. Der Handel mit Deutschland legte allein im Jahr 2025 um mehr als 16 Prozent auf 22 Milliarden Euro zu. 

Dass Deutschland besonders stark von diesem Wachstum profitierte, hat auch historische Gründe: Bis heute wirkt nach, dass deutsche Unternehmen sich an der wirtschaftlichen Öffnung Vietnams in den 1990er-Jahren beteiligten. Auch die Anwerbung von vietnamesischen Fachkräften und Transferprojekte haben in der vietnamesischen Gesellschaft ein positives Bild von Deutschland geprägt.

Deutsche Unternehmen wiederum finden in Vietnam einen dynamischen Wachstumsmarkt und eine reformfreudige Regierung. Hinzu kommt die junge, gut ausgebildete und motivierte Bevölkerung.

Indonesien: Wichtigster Handelspartner Deutschlands in der Region

Indonesien, bereits heute Deutschlands wichtigster Handelspartner in der Region, möchte mehr strategische Autonomie und ist daher kürzlich der BRICS-Gruppe beigetreten. Parallel dazu wurde die Zusammenarbeit mit den G20 und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vertieft. Zudem wurden Partnerschaften mit den USA und Russland geschlossen. In einer zunehmend multipolaren Welt setzt Indonesien auf politischen Handlungsspielraum.

Mit einer Reihe von Handelsabkommen will die Regierung weitere Märkte erschließen. So beschlossen Indonesien und die EU 2025 ein Wirtschaftspartnerschafts- und ein Investitionsschutzabkommen. Indonesien erhält so Zugang zu einem hochstandardisierten Markt, während Europa von Rohstoffen, einer jungen, technologieaffinen Bevölkerung und einem schnell wachsenden Absatzmarkt profitiert. 

Ein Mann steht vor einer Karte von Indonesien.
Hans-Ludwig Bruns, Landesdirektor der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Indonesien © GIZ

Vor diesem Hintergrund möchte Deutschland die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen. Jakarta wiederum wünscht sich mehr Engagement Deutschlands. „Deutschland steht für Hightech und könnte dabei helfen, industrielle Prozesse effizienter zu gestalten und erneuerbare Energiequellen zu erschließen“, sagt Hans-Ludwig Bruns, Landesdirektor der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Doch die Beziehungen sind nicht völlig konfliktfrei. EU-Richtlinien, etwa zur Entwaldung oder zur Überwachung von Lieferketten, werden von indonesischen Politikern zunehmend als Handelshemmnisse betrachtet, gegen die sie sich wehren. Dabei setzen sie das wachsende politische Selbstbewusstsein ein, das sie durch zunehmenden Handel und wirtschaftliche Verflechtung gewonnen haben.