„Forsche mit ganzem Herzen!“

Malaria-Forscherin Faith Osier aus Kenia spricht über ihre Arbeit und Karrieremöglichkeiten in Deutschland.

Faith Osier: „Es gib viele Fördermöglichkeiten“
Faith Osier: „Es gib viele Fördermöglichkeiten“ Nic Thuita

Die kenianische Medizinerin Faith Osier leitet eine Malaria-Forschungsgruppe an der Universitätsklinik Heidelberg. Gefördert wird sie über einen Kovalevskaja-Preis der Humboldt-Stiftung. Osiers Ziel: Die Malaria ausrotten.

Frau Professorin Osier, welche Chancen bietet Ihnen der Forschungsstandort Deutschland?
Im deutschen Wissenschaftssystem gibt es viele öffentliche und private Fördermöglichkeiten für Forschung. Davon können auch Wissenschaftlerinnen aus dem Ausland profitieren. Im besten Fall gewinnt man eine längerfristige Förderung für fünf Jahre, wie sie der Kovalevskaja-Preis bietet. Mir gab das die Chance, mich mit meiner Familie in Deutschland beruflich und privat gut einzuleben. Ich konnte in Ruhe mein Labor aufbauen; meine Kinder gehen hier zur Schule. Bei diesem Prozess hat mich die Universität Heidelberg sehr unterstützt, zum Beispiel wurde mir ein Übersetzer zur Seite gestellt.

Welchen Herausforderungen begegneten Sie?
Wissenschaftlerinnen, die eine Familie gründen wollen, haben es generell schwerer, auch in Deutschland. Mutterschaftsurlaub bedeutet in vielen Ländern immer noch einen Knick in der Karriere. Arbeitgeber sehen in der Mutterschaft den Nachteil, dass die Frau eine Zeit lang ausfällt. In Kenia kann sich eine Wissenschaftlerin von ihrem Gehalt ein Kindermädchen leisten, und so war ich jeweils wenige Wochen nach der Geburt bereits wieder am Arbeitsplatz. In der deutschen Gesellschaft gibt es dagegen häufig die Erwartungshaltung, dass Frauen nach der Geburt länger zuhause bleiben, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Wer als Wissenschaftlerin produktiv bleiben will, muss dann zusätzlich zuhause arbeiten. Das erzeugt Druck, und das muss man als Afrikanerin wissen. Wissenschaftlerinnen sind in Deutschland aber gut vernetzt, etwa über academia-net.org, und stärken so ihre Position.

Was empfehlen Sie Forscherinnen, die nach Deutschland kommen wollen?
Widme dich mit ganzem Herzen deiner Forschung, um wirklich gut darin zu sein! Ein anspruchsvolles Arbeitsethos ist in der deutschen Kultur wichtig. So kommt man voran. Mich treibt dieser Anspruch an.

Interview: Bettina Mittelstraß

© www.deutschland.de

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