Re-Urbanisierung – Kleine Städte sind wieder da

Den Glanz der Metropolen können sie nicht bieten, dafür viele gute Ideen: drei wenig bekannte Städte und ihre Anziehungskraft.

Kunstaktion „Offenbacher Seefestpiele“
Kunstaktion „Offenbacher Seefestpiele“ Andreas Arnold/dpa

Kaum ein deutsches Städteranking funktioniert ohne Berlin, München und Hamburg. Doch was ist mit den kleineren Städten? Keine Anziehungskraft? Irrtum. Re-Urbanisierung heißt die Entwicklung, die abseits der Metropolen den Aufschwung bringt. Drei Beispiele.

Die Schlaue: Halle an der Saale

Die Statistik hatte Halle fast aufgegeben. Zu DDR-Zeiten ein Rekordhalter bei Jobs und Wohlstand, litt die Stadt nach der Wiedervereinigung unter Deindustrialisierung, Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Doch seit 2010 steigt die Einwohnerzahl wieder. Dabei spielen die Studierenden an den Hochschulen eine wichtige Rolle. Halle ist zudem Anziehungspunkt für Forscher geworden: Die Max-Planck-Gesellschaft betreibt hier zwei Institute, die Fraunhofer-Gesellschaft gleich drei. Neben einem Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft gibt es die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Hinzu kommen Firmenlabore und die Universitätsklinik. An dem einstigen Industriestandort entstehen heute Innovationen etwa in Nano- und Solartechnologie.

Die Kreative: Offenbach am Main

Offenbach die „kleine Schwester Frankfurts“ zu nennen, war noch vor kurzem ziemlich anmaßend. Vielen Frankfurtern galt der Nachbarort eher als ungeliebte Cousine. Doch die raue Industriestadt erfand sich neu. Offenbach entwickelte sich zur Heimat der Kreativwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet mit einer eine renommierten Hochschule für Gestaltung, bezahlbarem Wohn- und Arbeitsraum und einer vielfältigen Gesellschaft. Mittlerweile schätzen auch die Frankfurter die nahe Verwandte: Immer mehr ziehen nach Offenbach.

Die Nachhaltige: Osnabrück

Vielleicht ist es der Verpflichtung als Unterzeichnerin des Westfälischen Friedens geschuldet, dass Osnabrück die Beteiligung seiner Bürger besonders wertschätzt. Ideen zur Stadtentwicklung können sie bei Stadtspaziergängen und in Bürgerwerkstätten einbringen. In kommunale Angelegenheiten werden das Jugendparlament und viele weitere Gruppen eingebunden. Vorbildliche Ideen zum Klimaschutz wie Radschnellwege und eine E-Bus-Flotte sorgten dafür, dass Osnabrück als nachhaltigste Stadt Deutschlands 2020 ausgezeichnet wurde. Kein Wunder, dass viele Menschen dort ihre Zukunft sehen: Die Stadt verzeichnete zuletzt Rekordwerte bei der Zuwanderung.

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