„Nenn mich Emma Tiger“

Wie soll das Baby heißen? Das sind die Trends für Vornamen in Deutschland – und Grenzen für die Fantasie der Eltern.

Vornamen: Eltern haben über 500.000 Namen für ihr Baby zur Auswahl.
Vornamen: Eltern haben über 500.000 Namen für ihr Baby zur Auswahl. dpa

Deutschland. Giannis, Emma Tiger, Emelie-Extra oder Sundance? Familien in Deutschland sind kreativ bei der Auswahl von Babynamen. Die Liste offiziell anerkannter Vornamen wird von Jahr zu Jahr länger. Manche Eltern setzen auf eigene Kreationen oder lassen sich von anderen Kulturen inspirieren. Doch nicht alles ist erlaubt. Wir erklären die Fakten.

Wie viele Vornamen gibt es in Deutschland?

500.000 Vornamen sind in Deutschland bei den Standesämtern registriert und es kommen stets neue dazu: „Jedes Jahr werden etwa 1.000 neue Namen von den Standesämtern anerkannt“, sagt Gabriele Rodriguez von der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig, die zum Namenkundlichen Zentrum der Universität gehört. Rodriguez forscht zu Vornamen und berät Eltern mit ungewöhnlichen Namenswünschen.

Warum kommen so viele neue Vornamen dazu?

Individualität und Globalisierung bringen Namen aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland und setzen neue Trends. Auch eine veränderte Schreibweise gibt gewöhnlichen Vornamen etwas Extravagantes. Manche Eltern möchten zwei Namen aus der Familiengeschichte „verschmelzen“: aus Thorsten und Dieter wird dann beispielsweise Thodi; aus Kerstin und Ron Keron. Eine weitere Variante: „Ein deutsch-afrikanisches Baby erhielt als Zweitname eine Neukombination aus Afrika und Europa: Afrope“, erzählt Rodriguez.

Was ist erlaubt – und was nicht?

Entscheidend ist: Der Vorname darf dem Kindswohl nicht schaden. Zudem soll das Geschlecht erkennbar sein. Noch vor einigen Jahrzehnten waren der Kreativität viel strengere Grenzen gesetzt: Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Recht auf freie Namenswahl.

Was hat sich seit 1900 verändert?

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts bestimmten Tradition und Religion den Vornamen eines Kindes: „Der erstgeborene Sohn wurde oft nach dem Vater oder Großvater benannt, die anderen Kinder nach ihren Taufpaten“, erklärt Rodriguez. Katholiken orientierten sich an Namen von Heiligen. In den 1960er-Jahren lagen skandinavische Namen im Trend, dann angloamerikanische. Stars aus Film, Musik und Internet sind auch heute noch Vorbilder bei der Namenswahl.

Welche Vornamen sind aktuell am beliebtesten?

Trotz des Ideenreichtums werden zeitlose Namen am häufigsten vergeben. Emma, Hanna, Mia, Sophia, Anna und Marie führen bei den Mädchen die Liste der beliebten Vornamen an. Bei den Jungs belegen Ben, Jonas, Leon, Paul, Noah und Elias die Spitzenplätze. „Zudem werden germanische Namen wie Ida, Karl und Frieda wieder modern“, sagt Gabriele Rodriguez.

Informationen zu Vornamen in Deutschland:

Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfDS)

Namenberatungsstelle der Universität Leipzig

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