Vielfalt fürs Theater

Theaterregisseurin Pınar Karabulut erklärt, warum der Kulturbereich weiblicher und diverser werden muss und wie das gelingen kann.

Pınar Karabulut engagiert sich für Vielfalt am Theater.
Pınar Karabulut engagiert sich für Vielfalt am Theater. Julia Sang Nguyen

Menschen und ihre Ideen prägen Deutschland. Mit der Kampagne #GermanyinPerson stellen wir euch verschiedene Gesichter Deutschlands vor. Wir zeigen euch, wie diese Menschen mit ihren individuellen Perspektiven und unterschiedlichen Hintergründen die Gesellschaft prägen.

Pınar Karabulut (34) ist Theaterregisseurin, unter anderem am Schauspiel Köln. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Sexismus, Feminismus und Frauenbildern.

„Das deutsche Theater ist immer noch weiß, männlich und heterosexuell. Es gibt zwar Veränderungen, beispielsweise einige Frauen in Leitungsetagen, aber auch diese sind weiß, älter und kommen aus privilegierten Kontexten. Sie tendieren dazu, das patriarchale System zu reproduzieren, weil sie gelernt haben, dass es für Frauen* (das Sternchen weist darauf hin, dass alle Menschen gemeint sind, die sich selbst mit dem Begriff Frau definieren) an der Spitze nur einen einzigen Platz gibt und dass man den erkämpfen muss. Die junge Generation hingegen denkt viel mehr in Allianzen. Wenn ich beispielsweise die Chance habe, einen Vorschlag für eine Rollenbesetzung zu machen, versuche ich immer, Frauen* vorzuschlagen. In meinen Regieteams arbeite ich größtenteils mit Frauen* und versuche, PoC (People of Color) und queeren Menschen Jobs zu geben. Unsere Kultur und unsere Gesellschaft benötigt mehr Chancengleichheit.

Es ist wichtig, dass PoC, queere Menschen und junge Frauen* respektive weiblich gelesene Personen in der Kulturbranche in hohen Positionen präsent sind, weil es ohne sie nie Diversität geben wird. Der weiße Mann hat Angst, seine Privilegien zu verlieren. Dabei geht es ja nur darum, einen zweiten Stuhl an den Tisch zu stellen. Aber Solidarität und Akzeptanz müssen erst gelernt werden, damit sie gelebt werden können.

Es gibt im Kulturbereich, gerade am Theater, viele Schritte Richtung Diversität, aber ich kenne derzeit kein Haus in Deutschland, an dem das gelebt wird. Damit Frauen* und PoC in höhere Positionen kommen, muss ihnen zuallererst zugehört werden und sie müssen ernst genommen werden. Wenn ich von meinen Rassismuserfahrungen erzähle, höre ich oft, dass das kein Rassismus gewesen sei. Das kann aber das Gegenüber nicht beurteilen.

Ich bin optimistisch, dass es positive Veränderungen geben wird, wir sind auf einem guten Weg, aber es braucht zu lange. Die perfekte Theaterwelt wäre eine, in der Hautfarbe, Haarfarbe, Nationalität, Geschlecht und sexuelle Orientierung keine Rolle mehr spielen.“

Mehr spannende Persönlichkeiten und Infos zur Kampagne findet ihr auf unserem Instagramkanal.

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