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Eine Lehrerin steht in einem Klassenzimmer mit Schülern.
Lehrerin bei der Arbeit: wichtig für die Schüler, wichtig für die Gesellschaft © istockphoto
Weltlehrertag

„Empathie dient der Demokratie“

Was macht gute Schule heute aus? Die preisgekrönte Lehrerin Simone Windhüs spricht über KI, neue Erwartungen und demokratische Bildung im Alltag.

30.09.2026Ralf Isermann Interview: Ralf Isermann

2025 wurde Simone Windhüs vom Deutschen Lehrkräftepreis als „Ausgezeichnete Lehrkraft“ gewürdigt. Ihre Schülerinnen und Schüler lobten sie als fachlich stark, zugewandt und motivierend. Die Mathe- und Biologielehrerin des Landfermann-Gymnasiums in Duisburg im Ruhrgebiet spricht im Interview über die Anerkennung und über aktuelle Herausforderungen.

Frau Windhüs, hat sich ihr Lehrerinnenleben mit der Auszeichnung geändert?

Ich gehe seitdem noch deutlich motivierter zur Schule. Der Preis ist ein Feedback, das man nicht alle Tage bekommt. Besonders schön für mich war, dass sich danach auch viele ehemalige Schülerinnen und Schüler bei mir gemeldet haben. Eine war dabei, die hatte ich vor 20 Jahren als Schülerin. Sie ist jetzt selbst Lehrerin und bildet auch neue Lehrkräfte aus. Sie hat sich bedankt, wie schön es damals bei mir war. 

Simone Windhüs
„Ausgezeichnete Lehrkraft“: Simone Windhüs © Deutscher Lehrkräftepreis

Was bedeutet es, heute Lehrerin zu sein? 

Die Anforderungen an die individuelle Förderung sind deutlich erhöht. Das ist die Anspruchshaltung der Gesellschaft, der Eltern und auch der Kinder. Das ist deutlich anders als vor 20, 30 Jahren. Man muss viel flexibler sein in der Unterrichtsgestaltung und mehr Möglichkeiten anbieten. Die Ansprüche an Lehrkräfte gehen auch immer mehr in Richtung Erziehung der Kinder.

Welche Rolle spielt KI?

Das ist eine echte Herausforderung. Hausaufgaben sind ja im Grunde überflüssig geworden. Wir müssen als Schule jetzt neu überlegen, wie wir den Unterricht konstruieren. Die KI kann dabei auch helfen. Ich hoffe, dass sie uns beim Erfüllen der individuellen Bedürfnisse der Kinder in die Karten spielt und Aufgaben übernimmt, die bisher bei uns Lehrern liegen. Zum Beispiel kann KI dabei helfen, eine inhaltliche individuelle Förderung zu schaffen. Man kann dann für jedes einzelne Kind zugeschnittene Lernaufgaben zur Verfügung stellen. Damit werden alle dort gefördert und gefordert, wo sie gerade stehen.

Wie hoch ist der Stellenwert von Schule für die Demokratieförderung?

Da die Kinder sehr viel Lebenszeit an der Schule verbringen, halte ich es für essenziell, dass dort demokratische Werte vermittelt werden. Ich glaube, das passiert auch. Es gibt unfassbar viele kleine Alltagssituationen in der Schule. Das fängt damit an, dass die anderen Kinder einem Kind zuhören, das gerade etwas vorträgt. Und wenn das Kind fertig ist, wird auf eine sachliche und wertschätzende Weise darüber diskutiert. Das ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Demokratieförderung. Empathie für das Gegenüber aufzubringen, eine angemessene Gesprächskultur, eine gute Streitkultur, all das bringen wir bei - und das dient der Demokratie.

Deutscher Schulpreis 2026

100.000 Euro für die beste Schule: Über den ersten Platz beim Deutschen Schulpreis 2026 freut sich die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf in Hessen. Zur Begründung heißt es unter anderem, dass die Schule KI sehr gut als Lernwerkzeug nutze und zugleich kritisch reflektiere. Fünf weitere Schulen erhielten jeweils 30.000 Euro. Die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung würdigen mit dem Preis seit 20 Jahren herausragende Schulen. 2026 übergab Bundeskanzler Friedrich Merz die Preise.