„Die Deutschen sind wie Kokosnüsse“
Harte Schale, weicher Kern: Wie Brittany aus den USA und Abdullah aus Pakistan die deutsche Streitkultur erleben.
Brittany Alaine aus den USA lebt im norddeutschen Bundesland Niedersachsen und arbeitet als Kommunikationstrainerin, Social-Media-Beraterin und Content Creator.
„Die Deutschen können den Streit häufig gut von der persönlichen Beziehung trennen. Sie betrachten eher nüchtern: Worüber streiten wir uns? Um welche Fakten geht es? Das ist lösungsorientiert, aber als Amerikanerin fehlt mir immer wieder, dass man Emotionen stärker zulässt. Dann kann man auch besser verstehen, was den anderen bewegt. Wenn mein Gegenüber aber besonders darauf achtet, was ich aus seiner Sicht falsch darstelle, ist das schnell frustrierend und lässt den Streit eskalieren.
Angenehm finde ich an der deutschen Streitkultur, dass ein Konflikt in der Regel ohne großes Nachtragen abgehakt wird. Mehr Gespür dafür, dass der oder die andere vielleicht noch aufgewühlt ist, wäre manchmal auch schön. Aber es stimmt schon, was man sagt: Die Deutschen sind ein bisschen wie Kokosnüsse. Es lohnt sich, die harte Schale zu durchdringen. Dann erlebt man auch nach Konflikten oft Zuverlässigkeit und Zusammenhalt.“
Abdullah Tayyab kommt aus Pakistan und arbeitet als IT-Projektmanager in Bayern.
„Die Unterschiede in der Streitkultur zwischen Pakistan und Deutschland habe ich schon während meiner Zeit als Student in München kennengelernt. In unserer WG habe ich eine Diskussion einmal laut schimpfend verlassen, weil mich der Streit mit einem deutschen Mitbewohner so aufgeregt hat. Das hat ihn nicht groß gestört, aber er hat sich gewundert, warum ich nicht weiterdiskutieren konnte.
Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass die Deutschen selbst im Streit selten laut werden. Unangenehm finde ich dagegen die oft sehr direkte Art. Es ist völlig okay, wenn man zum Beispiel auf der Arbeit den Fokus auf Verbesserungen legt. Aber manchmal fände ich etwas mehr Lockerheit gut, damit Spannungen gar nicht erst aufkommen. Den Deutschen fällt es aber auch leicht zu sagen: Dann sind wir uns eben einig, uneinig zu sein. Diese entspannte Haltung schätze ich sehr.“