Verschiedene Formen des Erinnerns

Virtuelle Tagung gegen die Verdrängung: Expertinnen und Experten aus Israel, Ruanda und Deutschland sprechen über Erinnerungskultur.

Einen emotionalen Zugang zum Gedenken finden.
Einen emotionalen Zugang zum Gedenken finden. Adobe Stock/Maria Marganingsih

Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Hass, Rassismus – eine lebendige Erinnerungskultur ist ein wirksames Mittel dagegen, in der Vergangenheit und in der Zukunft. Aber welche neuen Formen des Erinnerns gibt es, welche Bedeutungen hat Gedenken und wie können wir global voneinander lernen? Über diese Fragen diskutierten im November die internationalen Teilnehmenden der Online-Tagung „Erinnern und Gedenken im Ländervergleich: Israel, Ruanda, Deutschland“ des rheinland-pfälzischen Landtags. Unter den Experten aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft befanden sich Professorin Aleida Assmann, Anglistin und Ägyptologin, Dr. Esther Mujawayo-Keiner, Mitbegründerin von AVEGA (Association des Veuves du Genocide Agahozo) und der israelische Historiker Professor Moshe Zimmermann. Auch Vertreter der zentralen Gedenkstätten in den drei Ländern nahmen teil.

30 Referentinnen und Referenten, 16 Stunden Programm: Die virtuelle Tagung könnt ihr euch jetzt hier anschauen.

In der Gegenwart müssen Demokratie und Frieden verteidigt werden.

Roger Lewentz, Innenminister der Rheinland-Pfalz

Bei der Veranstaltung gehe es darum, gemeinsam zurückzublicken und dann geschärft auf die Gegenwart und Zukunft zu schauen, erklärt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. „Denn in der Gegenwart müssen Demokratie und Frieden verteidigt werden.“ Dem stimmt auch Israels Botschafter in Deutschland, Jeremy Nissim Issacharoff, in seinem Grußwort zu. Antisemitismus sei eine Bedrohung für jede demokratische und tolerante Gesellschaft.

Man brauche Erinnerungsorte und Erinnerungstage, meint Lewentz. Denn sie seien uns eine regelmäßig wiederkehrende Mahnung, innezuhalten und unsere Werte gegen Hass und Hetze zu verteidigen. Vor allem aber brauchen wir neue lebensnahe Formate des Gedenkens, meint Bundesministerin Stefanie Hubig. Erinnerungsarbeit müsse über Buchwissen hinausgehen und in lebensnahen Projekten gestaltet werden. In den Schulen gebe es hierfür bereits viele Ansätze wie Gespräche mit Zeitzeugen und die Beschäftigung mit Stolpersteinen zur Erinnerung an die Opfer in den Städten und Gemeinden.

Nach der virtuellen Tagung resümierte Landtagspräsident Hendrik Hering: „Erinnerungskultur ist dann nachhaltig und erfolgreich, wenn sie regional und vor Ort möglich ist und wenn ein emotionaler Zugang zum Gedenken gefunden wird. Denn die Verbrechen fanden nicht irgendwo weit weg statt, sondern vor unserer Haustür.“