„Erinnern ist ein Demokratiegarant“

„JUGEND erinnert international“ findet digitale Wege, Jugendlichen die Auseinandersetzung mit Gedenkorten zu ermöglichen.

25 Projekte fördert das Auswärtige Amt mit „JUGEND erinnert international“.
25 Projekte fördert das Auswärtige Amt mit „JUGEND erinnert international“. dpa

„Erinnern ist ein Demokratiegarant. Was wir über NS-Unrecht wissen und wie wir dieses Wissen und die Erinnerung wachhalten, bestimmt unser Handeln in Gegenwart und Zukunft, sagt Andrea Despot, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ). Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt hat sie das Projekt „JUGEND erinnert international“ ins Leben gerufen: „Wenn wir uns als Gesellschaft menschenfeindlichen Ideologien und Diskriminierungen jeder Art entgegenstemmen wollen, müssen wir verstehen, was damals passiert ist. Dazu braucht es eine vielfältige und andauernde Auseinandersetzung mit der Geschichte auf vielen Ebenen: in der Bildungsarbeit, in den Medien, in den Familien und in Projekten”, betont Despot.

Wir wollen in und über Europa hinaus Erinnerungsorte zu Lernorten machen.

Staatsministerin Michelle Müntefering

Aus diesem Grund hat die Bundesregierung „JUGEND erinnert“ 2018 auf den Weg gebracht und motiviert junge Menschen zum Besuch von Gedenkstätten, um so dem wachsenden Antisemitismus entgegenzutreten. Seit Ende 2025 werden im Rahmen des internationalen Teils des Bundesprogramms 25 Projekte gefördert: „Das hilft einer jungen Generation, ihren eigenen Zugang zu unserer Geschichte zu finden. Wir wollen in und über Europa hinaus Erinnerungsorte zu Lernorten machen und somit Brücken in die Zukunft bauen“, sagt Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt.

Aufgrund von COVID-19 ist das derzeit nur eingeschränkt möglich, dennoch versuchen die Jugendlichen am 27. Januar an den Holocaust-Gedenktag zu erinnern. Das Max-Windmüller-Gymnasium und sein israelischer Kooperationspartner starten zum Beispiel eine Werbe-Guerilla-Aktion in Deutschland und Israel mit ihren Schülergruppen, um auf den neuen Instagram-Account aufmerksam zu machen. Zusätzlich beteiligen sie sich an der Aktion #weremember. 

Auch der Kreisjugendring Siegen-Wittgenstein hat sich gemeinsam mit seinem israelischen Partner Emek Hefer etwas Besonderes für diesen Tag überlegt. Bei „Gedenken im Wohnzimmer“ wird die älteste Überlebende des Ghettos und KZ Theresienstadt Hannah Malka via Zoom auf Deutsch ihre Geschichte erzählen, die simultan ins Hebräische übersetzt wird. Im Anschluss können die deutschen und israelischen Zuhörer Fragen stellen.

Hybrider Weg: Gedenken im digitalen Zeitalter

Andrea Despot weiß um die besonderen Schwierigkeiten während der Corona-Pandemie: „Gedenkstätten sind Lernorte, die dann am eindrücklichsten wirken, wenn ich da bin, fühle, wahrnehme. Das Lernen mit allen Sinnen wird sich immer nur unvollständig in virtuelle Räume transportieren lassen. Zugleich bietet das digitale Lernen Vorteile: mehr Zugänglichkeit für jede und jeden von jedem Ort aus oder auch die individuellen Zugänge und Geschwindigkeiten. Ich glaube, dass wir historisch-politische Bildungsformate entwickeln werden, die das Beste aus beiden Welten vereinen.“